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Homocystein erhöht: Was der Wert bedeutet und was nicht

Ein erhöhter Homocystein-Wert hat oft eine einfache Erklärung, die im Röhrchen oder in der Kaffeetasse liegt und nicht im Stoffwechsel. Woran die Zahl liegen kann, was sie über Folat und Vitamin B12 aussagt und was sich an ihr bewegen lässt.

Clara Lambracht
Clara Lambracht
Ernährungsexpertin
· 14 Min. Lesezeit ·akt. 24. Oktober 2026
Makroaufnahme von goldenen Weizenkeim- und Hefeflocken mit einem Steinzeuglöffel im warmen Tageslicht
Worum es hier geht

Homocystein ist eine Aminosäure, die im Körper entsteht, wenn er den Eiweißbaustein Methionin umbaut. Der Wert zeigt, wie gut dieser Umbau gerade läuft, und nicht, wie viel von einem einzelnen Nährstoff im Körper vorhanden ist. Ein erhöhtes Ergebnis bedeutet, dass sich die Zwischenstufe im Blut ansammelt, ein niedriges, dass sie zügig weiterverarbeitet wird. Bestimmt wird sie aus einer Blutprobe und auf dem Befund in Mikromol je Liter angegeben, abgekürzt µmol/l.

Ein Homocystein-Wert über der gedruckten Grenze sagt häufiger etwas über den Weg der Blutprobe als über den Stoffwechsel des Menschen, von dem sie stammt. Die roten Blutkörperchen bilden nach der Entnahme weiter Homocystein und geben es an das umgebende Plasma ab, bei Zimmertemperatur um etwa fünf bis fünfzehn Prozent pro Stunde, sodass ein unauffälliges Ergebnis allein auf dem Transportweg über die gedruckte Grenze rutschen kann. Ein Liter Filterkaffee am Tag hat dieselbe Zahl in einem randomisierten Versuch um 18 Prozent angehoben, ohne dass sich an der gemessenen Versorgung mit den beteiligten Vitaminen etwas geändert hätte. Die häufigste Falle liegt deshalb nicht in der Deutung der Zahl, sondern in der Annahme, dass sie überhaupt stimmt. Wer einen erhöhten Wert vorliegen hat, klärt zuerst die Bedingungen seiner Entstehung und lässt die Bestimmung sauber wiederholen, bevor er daraus etwas ableitet.

Was ist Homocystein?

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die im Eiweißstoffwechsel als Zwischenstufe entsteht und dort nicht liegen bleiben soll. Ausgangspunkt ist Methionin, ein Eiweißbaustein aus der Nahrung, der im Körper zunächst in eine aktivierte Form überführt und für zahlreiche Übertragungsreaktionen verbraucht wird. Was am Ende dieser Kette übrig bleibt, ist Homocystein, und der Körper hält es normalerweise nur kurz vor, weil ihm zwei Auswege zur Verfügung stehen.

Der erste Ausweg führt zurück zum Ausgangsstoff: Bei dieser Remethylierung erhält Homocystein eine Methylgruppe zurück und wird wieder zu Methionin, wobei das zuständige Enzym Vitamin B12 als Cofaktor benötigt und die Methylgruppe aus einer Folat-Verbindung bezieht. Über den zweiten Ausweg, die Transsulfurierung, wird Homocystein zu Cystein umgebaut und damit endgültig aus dem Kreislauf genommen, und das Enzym dafür arbeitet mit Vitamin B6. Vitamin B6 trägt zu einer normalen Cystein-Synthese bei. Der Körper nutzt je nach Situation den einen oder den anderen Weg.

Was bedeutet ein erhöhter Homocystein-Wert?

Er bedeutet, dass sich diese Zwischenstufe des Eiweißstoffwechsels im Blut ansammelt, weil einer ihrer beiden Abflüsse langsamer arbeitet als üblich. Gemessen wird damit nicht die Menge eines Nährstoffs, sondern die Höhe eines Zwischenlagers. Der Homocystein-Wert ist damit ein funktioneller Marker, also eine Zahl über einen Vorgang statt über einen Vorrat, und genau darin unterscheidet er sich von den Werten, die auf einem Nährstoffbefund sonst stehen.

Ebenso wichtig ist, was die Zahl nicht leistet: Sie sagt nicht, welcher der beteiligten Stoffe knapp ist, weil dieselbe Erhöhung von beiden Wegen kommen kann, und sie ersetzt keine der Einzelbestimmungen. Ein erhöhter Homocystein-Wert allein ist damit ein Anfang und kein Ergebnis.

Ab wann gilt der Wert als erhöht?

Das hängt davon ab, welche der beiden gebräuchlichen Konventionen das Labor gewählt hat, und dieser Umstand erklärt die meisten Missverständnisse rund um diesen Befund. Ein Teil der deutschsprachigen Quellen nennt einen Referenzbereich von 5 bis 10 µmol/l und stuft alles darüber als erhöht ein, während das österreichische Gesundheitsportal für Frauen und Männer ab achtzehn Jahren eine einheitliche Obergrenze von 15 µmol/l druckt. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt eine Zone, in der dasselbe Ergebnis auf dem einen Befund als unauffällig und auf dem anderen als erhöht erscheint.

Wert in µmol/lEinordnung bei einer Grenze von 10Einordnung bei einer Grenze von 15
unter 10normalnormal
10 bis 15erhöhtnormal
15 bis 30erhöhterhöht
über 30stark erhöhtstark erhöht

Wer seinen eigenen Wert zwischen 10 und 15 findet, sitzt damit in dem Feld, in dem die Einordnung vom gedruckten Bereich abhängt und nicht vom Ergebnis selbst. Maßgeblich ist die Spalte auf dem eigenen Befund, weil sie zum Messverfahren dieses Labors gehört, und ein Vergleich mit einem Befund aus einem anderen Labor führt regelmäßig in die Irre.

Die Labormedizin hält einen scharfen Referenzbereich hier ohnehin für wenig sinnvoll, weil sich die Einschätzung oberhalb von etwa 10 µmol/l gleitend verändert und nicht an einer Schwelle umspringt. Der Übergang von 9,8 auf 10,2 µmol/l bedeutet deshalb deutlich weniger als der Sprung, den die Farbmarkierung auf dem Ausdruck suggeriert.

Immerhin bereitet die Einheit selbst keine Schwierigkeiten, und das ist bei Laborwerten aus dem Nährstoffbereich nicht selbstverständlich. Auf deutschsprachigen Befunden steht Homocystein praktisch ausnahmslos in Mikromol je Liter, geschrieben als µmol/l, gemeint ist dabei das Gesamt-Homocystein, mitunter als tHcy abgekürzt, und eine zweite gebräuchliche Einheit existiert nicht. Beim Vitamin D ist das anders, wo zwei Einheiten nebeneinander im Umlauf sind und dieselbe Blutprobe je nach Befund als zwei völlig verschiedene Zahlen erscheint, wie unser Artikel zu 25-OH-Vitamin D in ng/ml und nmol/l beschreibt.

Hat ein erhöhter Homocystein-Wert Symptome?

Er hat keine, die sich einem Menschen von selbst bemerkbar machen würden. Die Konzentration einer Zwischenstufe im Blut ist nichts, was sich spüren oder am Spiegel ablesen ließe, und ein Ergebnis von 14 µmol/l fühlt sich genauso an wie eines von 8 µmol/l. Deshalb fällt dieser Wert fast immer bei einer Blutabnahme auf, die aus einem ganz anderen Anlass stattgefunden hat.

Was hinter der Frage nach den Symptomen steckt, gehört deshalb nicht zur Zahl selbst, sondern zu dem, was sie anzeigen kann. Das österreichische Gesundheitsportal ordnet Ergebnisse zwischen 15 und 30 µmol/l meist einem Mangel der Vitamine Folsäure, B6 und/oder B12 zu und Ergebnisse über 30 µmol/l dem Verdacht auf eine angeborene, mischerbige Störung des Homocystein-Stoffwechsels. Woran sich eine knappe Versorgung im Alltag überhaupt bemerkbar macht, steht in unserem Artikel zu Nährstoffen bei anhaltender Müdigkeit.

Dieselbe Verwechslung steht hinter der Frage nach dem Haar, die zu diesem Befund regelmäßig gestellt wird: Gesucht wird nach einer Zahl, die ein sichtbares Anzeichen erklärt, gemessen wird aber ein Vorgang, der für sich genommen nichts über das Haar aussagt. Welche Werte bei dieser Frage etwas hergeben und wie viel Zeit zwischen einer Veränderung und ihrer Sichtbarkeit liegt, beschreibt unser Artikel zu Vitaminen und Mineralstoffen bei Haarausfall.

Woran ein erhöhter Wert liegen kann

Auf den Wert wirken mehrere Einflüsse ein, die sich in drei Gruppen ordnen lassen und die sich in ihrer Bedeutung deutlich unterscheiden.

  1. Die Versorgung mit den beteiligten B-Vitaminen steht in der Beurteilung an erster Stelle, denn die Enzyme der beiden Abbauwege arbeiten mit Folat, mit Vitamin B12 und mit Vitamin B6 als Cofaktoren.
  2. Eine genetische Variante des Enzyms MTHFR, üblicherweise als 677C>T bezeichnet, verlangsamt die Bereitstellung der Methylgruppe und ist in der Bevölkerung verbreitet.
  3. Die Nierenfunktion bestimmt mit, wie viel Homocystein den Körper verlässt, weshalb eine nachlassende Filterleistung den Wert anhebt.

Dazu kommen Einflüsse, die auf keinem Befund vermerkt sind und die den Wert trotzdem spürbar verschieben. Er steigt mit dem Lebensalter, Männer liegen im Mittel über Frauen, und Rauchen wie reichlich Alkohol werden in der Literatur mit höheren Werten in Verbindung gebracht. Auch eine eiweißreiche Mahlzeit kurz vor der Entnahme hebt die Zahl an, weil sie den Nachschub an Methionin erhöht, weshalb die Fachliteratur die Abnahme nach zwölf Stunden ohne Nahrung vorsieht. Einzelne Wirkstoffe verschieben den Wert ebenfalls, weshalb die eigene Medikamentenliste zum Termin gehört.

Weniger fest belegt und trotzdem häufig gefragt ist der Einfluss anhaltender Belastung. Untersuchungen beschreiben einen Zusammenhang mit höheren Werten, die Ergebnisse dieser Arbeiten fallen allerdings unterschiedlich aus, und plausibel ist vor allem der Umweg über das Verhalten, weil sich unter Druck das Rauchen, die Kaffeemenge und die Ernährung mitverändern.

Für den einzelnen Befund gilt deshalb eine Rangfolge: Erst kommt die Frage, ob die Probe sauber verarbeitet wurde, dann die nach dem nüchternen Zustand, und erst danach lohnt der Blick auf die Versorgungslage oder die Nierenfunktion. Wer sie umdreht, sucht nach einer Ursache für eine Zahl, die es so vielleicht nie gegeben hat.

Warum die Probe selbst den Wert anhebt

Weil die roten Blutkörperchen auch im Röhrchen weiter Homocystein aus der aktivierten Form des Methionins bilden und es in das umgebende Plasma abgeben. Solange Zellen und Plasma zusammen im Röhrchen stehen, wächst die Zahl, die das Labor später misst, obwohl sich im Körper des Menschen nichts verändert hat.

Beziffert ist dieser Effekt seit Langem. Fachquellen nennen einen Anstieg von fünf bis fünfzehn Prozent pro Stunde bei Zimmertemperatur, andere geben rund zehn Prozent pro Stunde an. Was das für einen konkreten Befund bedeutet, lässt sich in zwei Rechenschritten zeigen: Ein Blut mit tatsächlich 9,5 µmol/l ergibt nach einer Stunde bei zehn Prozent Zuwachs bereits 10,5 µmol/l und nach zwei Stunden 11,5 µmol/l. Der Mensch hat in dieser Zeit nichts getan, und sein Befund hat trotzdem die gedruckte Grenze überschritten.

Die Labormedizin begegnet dem mit klaren Vorgaben zur Probenbehandlung, und bevorzugt wird dabei EDTA-Plasma statt Serum. Das Blut soll unmittelbar nach der Entnahme gekühlt, innerhalb von 30 Minuten zentrifugiert und das Plasma von den Zellen abgetrennt werden. Alternativ stehen Röhrchen mit einem Hemmstoff zur Verfügung, der die Nachbildung von vornherein unterbindet und die Probe damit unabhängig vom Transportweg macht.

Der entscheidende Punkt an diesem Ablauf ist, dass er den Anstieg nicht bremst, sondern beendet: Sobald das Plasma von den Zellen getrennt im Röhrchen steht, fehlt die Quelle des Nachschubs, und ein Labor kann eine korrekt aufbereitete Probe auch mit einigen Tagen Abstand bestimmen. Die gesamte Empfindlichkeit dieses Werts liegt damit in der kurzen Spanne zwischen dem Einstich und der Zentrifuge, und seine Qualität hängt an der Organisation der Praxis. Eine Entnahme am Vormittag, die zusammen mit dem übrigen Tagesmaterial am Nachmittag abgeholt wird, ist für die meisten Laborwerte unproblematisch und für diesen einen nicht.

Wie stark verschiebt Kaffee den Homocystein-Wert?

Stärker, als die Trinkgewohnheiten eines gewöhnlichen Vormittags vermuten lassen, und der Zusammenhang ist in kontrollierten Versuchen mit Zahlen belegt. Im American Journal of Clinical Nutrition erschien im Jahr 2000 ein randomisierter Versuch mit 26 gesunden Teilnehmenden, die über drei bis vier Wochen einen Liter Filterkaffee am Tag tranken und in einer zweiten Phase auf Kaffee verzichteten. Nüchtern gemessen lag das Ergebnis nach der Kaffeephase bei 9,6 µmol/l gegenüber 8,1 µmol/l ohne Kaffee, eine Differenz von 1,5 µmol/l oder 18 Prozent, und bei 24 der 26 Teilnehmenden stieg der Wert an.

Der eigentliche Fund dieser Arbeit steht in ihrem Nebensatz, denn die gemessenen Konzentrationen der beteiligten B-Vitamine blieben dabei unverändert. Der Kaffee hat also die Zahl bewegt, an der die Versorgung abgelesen wird, ohne an der Versorgung selbst etwas zu ändern. Das ist derselbe Mechanismus wie beim ungekühlten Röhrchen, nur eine Etage weiter vorn: Das Ergebnis stimmt, und es beschreibt trotzdem nicht das, wofür es gelesen wird.

Ein zweiter randomisierter Versuch aus demselben Jahr prüfte ungefilterten Kannenkaffee an 64 Teilnehmenden und fand nach zwei Wochen mit einem Liter am Tag einen Anstieg von 12,8 auf 14,0 µmol/l, also rund zehn Prozent. Ein Liter entspricht etwa vier bis fünf Tassen, und diese Größenordnung reicht aus, um ein Ergebnis knapp unterhalb der gedruckten Grenze darüberzuheben.

Daraus folgt keine Empfehlung zum Kaffeetrinken, sondern eine zur Vergleichbarkeit: Wer zwei Ergebnisse nebeneinanderlegen möchte, hält die Tage davor gleich und lässt die Probe in beiden Fällen nüchtern abnehmen. Dass Kaffee im Nährstoffbereich an einer zweiten Stelle auftaucht, beschreibt unser Artikel zu Eisen und Kaffee und dem Abstand dazwischen.

Was sagt der Wert über Vitamin B12 und Folat?

Er beschreibt, wie gut der Umbau gerade läuft, und liefert damit eine andere Information als eine Einzelbestimmung der beiden Vitamine. Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B12 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Ein erhöhter Wert weist also auf diesen Bereich hin, ohne zu unterscheiden, welcher der beiden Wege gerade langsamer arbeitet, und ohne die Einzelwerte zu ersetzen.

Genau deshalb steht Homocystein in der Labordiagnostik neben und nicht anstelle der direkten Bestimmungen. Die gebräuchliche Serumbestimmung von Vitamin B12 erfasst den größten Teil davon in einer Transportform, die den Zellen gar nicht zur Verfügung steht, und zeichnet dadurch ein günstigeres Bild als die tatsächliche Versorgung rechtfertigt. Welche Zahlen dort auseinanderlaufen und warum das aktive Holo-Transcobalamin die genauere Auskunft gibt, beschreibt unser Artikel zum Vitamin-B12-Wert mit pmol/l und Holo-TC.

Für die Zusammenstellung eines Befunds heißt das, dass die drei Werte zusammengehören: Homocystein zeigt, ob der Umbau stockt, die Folat-Bestimmung und die B12-Bestimmung zeigen, wo es stockt. Wer eine Blutentnahme ohnehin plant, lässt die drei Größen deshalb gemeinsam bestimmen. Welche Anzeichen bei einer knappen Versorgung mit Vitamin B12 auftreten und welche Ursachen dahinterstehen, ordnet unsere Übersicht zu Vitamin-B12-Mangel mit Symptomen und Ursachen ein, und für den zweiten beteiligten Nährstoff steht die Übersicht zu Folsäuremangel und seinen Ursachen daneben.

Lässt sich ein erhöhter Homocystein-Wert senken?

Bewegen lässt sich die Zahl durchaus, und trotzdem beginnt die brauchbare Antwort mit einer Reihenfolge statt mit einer Maßnahme. Ein Ergebnis aus einem Röhrchen, das eine Stunde ungekühlt im Praxisflur gestanden hat, wird nicht gesenkt, sondern richtiggestellt, und für eine Zahl nach einem Vormittag mit vier Tassen Kaffee gilt dasselbe. Erst wenn eine zweite Bestimmung unter sauberen Bedingungen wieder dieselbe Höhe liefert, beschreibt sie etwas, an dem sich überhaupt etwas verändern ließe.

Was über die beteiligten Vitamine gesagt werden darf, ist in der Europäischen Union festgelegt, und zugelassen sind dafür genau drei Fassungen. Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B12 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B6 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Das entscheidende Wort darin ist “normal” und nicht “niedrig”, denn die zugelassene Aussage beschreibt einen Stoffwechselweg, der funktioniert, und sagt nichts über die Bewegung einer Zahl nach unten. Wer auf einer Packung dreimal fast denselben Satz liest, liest deshalb den Wortlaut, der allein erlaubt ist.

Wie weit sich die gemessene Konzentration in kontrollierten Versuchen bewegt hat, ist davon unabhängig untersucht worden, und die größte Zusammenfassung dieser Versuche erschien 2005 im American Journal of Clinical Nutrition. Sie wertet 25 randomisierte Studien mit 2.596 Teilnehmenden aus, die verschiedene Mengen Folsäure gegeneinander geprüft hatten. Ihr für den Alltag wichtigster Befund ist eine Obergrenze: Oberhalb einer bestimmten Zufuhrmenge bewegten sich die gemessenen Werte nicht weiter, und bereits ein Bruchteil davon brachte den größten Teil des Unterschieds, sodass eine größere Menge am Ergebnis nichts mehr änderte. Die Arbeit prüfte zusätzlich zwei weitere B-Vitamine. Ein weiterer Unterschied zeigte sich dabei nur bei Vitamin B12. Bei Vitamin B6 fiel er nicht statistisch bedeutsam aus, obwohl dieses Vitamin in den gängigen Kombinationspräparaten regelmäßig mit aufgeführt ist.

Bleibt die Nachkontrolle, und an ihr scheitern die meisten Verlaufsbeobachtungen. Eine zweite Messung sagt nur dann etwas über eine Veränderung aus, wenn sie unter denselben Bedingungen zustande kommt wie die erste: dasselbe Labor mit demselben Referenzbereich, dieselbe Tageszeit, nüchtern, dieselbe Menge Kaffee an den Tagen davor und wieder die zügige Verarbeitung der Probe. Sie braucht außerdem Abstand, denn die beiden Kaffeeversuche weiter oben haben zwei bis vier Wochen gebraucht, um die Zahl um ein Zehntel bis knapp ein Fünftel zu verschieben. Eine Kontrolle nach wenigen Tagen misst vor allem die Präanalytik. Welche Zahlen die Folat-Bestimmung dabei liefert und warum für diesen einen Nährstoff zwei Messungen mit zwei verschiedenen Zeiträumen nebeneinanderstehen, beschreibt unser Artikel zum Folsäure-Blutwert und seinen beiden Messungen.

Was bedeutet ein sehr niedriger Wert?

Ein sehr niedriger Homocystein-Wert gilt nicht als Alarmzeichen und steht in den Referenztabellen deshalb meist ohne eigene Einordnung. Ergebnisse unterhalb von etwa 5 µmol/l werden in der Literatur mit einer knappen Eiweißzufuhr in Verbindung gebracht, denn ohne Methionin aus der Nahrung entsteht auch wenig Homocystein. Weich bleibt die Beobachtung trotzdem, weil ein niedriges Ergebnis ebenso gut für zwei zügig arbeitende Abbauwege oder für eine diesmal sauber verarbeitete Probe stehen kann. Dass ein einzelner Wert ohne einen zweiten daneben mehrdeutig bleibt, zeigt unser Artikel zum Ferritin-Wert mit Referenzbereich und CRP an einem anderen Beispiel.

Was kostet die Bestimmung des Homocystein-Werts?

Die Bestimmung gehört nicht zu einem gewöhnlichen Blutbild und wird ohne ärztliche Begründung als Selbstzahlerleistung abgerechnet. Veröffentlichte Preislisten von Praxen liegen dabei nah beieinander: 33,22 Euro stehen auf der Liste von mzla.de, 38,20 Euro auf der von aerztehaus-drensteinfurt.de. Die Folsäure-Bestimmung steht bei mzla.de mit 14,57 Euro in derselben Liste und das aktive Vitamin B12 als Holo-Transcobalamin mit 43,72 Euro, sodass alle drei Größen auf einem Befund bei gut neunzig Euro liegen. Ein Ergebnis aus einer Probe, die drei Stunden ungekühlt gestanden hat, ist teurer als dieser Betrag, weil es nichts beantwortet und eine Wiederholung nach sich zieht.

Was aus dem eigenen Befund folgt

Der brauchbarste Umgang mit einem erhöhten Homocystein-Wert besteht darin, ihn zuerst auf seine Entstehungsbedingungen zu prüfen und erst danach auf seine Höhe. Anders als bei den meisten Laborwerten steckt der größte einzelne Fehler nicht im Messgerät und nicht in der Deutung, sondern in der halben Stunde zwischen der Entnahme und dem Zentrifugieren, und wer diese Frage zuerst stellt, spart sich in vielen Fällen die gesamte Ursachensuche.

Für die Zahl selbst ergibt sich daraus eine überschaubare Ordnung: Ein Ergebnis unterhalb der gedruckten Grenze braucht keine weitere Handlung, ein Ergebnis knapp darüber eine Kontrolle unter sauberen Bedingungen, und ein Ergebnis deutlich darüber gehört zusammen mit den Einzelwerten für Folat und für Vitamin B12 in die ärztliche Sprechstunde. Für die nächste Blutentnahme heißt das morgens und nüchtern, mit der Bitte um ein EDTA-Röhrchen und um zügige Verarbeitung oder um ein Röhrchen mit Hemmstoff, und mit allen drei Größen auf einem Befund. Bleibt der Wert unter diesen Bedingungen erhöht, ist das eine belastbare Information, mit der sich in der Sprechstunde arbeiten lässt.

Wichtiger Hinweis
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Beschwerden ist die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt sinnvoll, bevor du dosierst.

Häufige Fragen

Ab wann gilt der Homocystein-Wert als erhöht?
Das hängt davon ab, welche Grenze das Labor gewählt hat, denn im deutschsprachigen Raum sind zwei Konventionen gebräuchlich. Ein Teil der Quellen druckt einen Referenzbereich von 5 bis 10 µmol/l und stuft alles darüber als erhöht ein, andere setzen die Obergrenze bei 15 µmol/l an. Maßgeblich ist der Bereich, der neben dem eigenen Ergebnis auf dem Befund steht, weil er zum Messverfahren dieses Labors gehört. Werte über 30 µmol/l gelten in beiden Konventionen als deutlich erhöht.
Woran kann ein erhöhter Homocystein-Wert liegen?
An erster Stelle steht die Frage, wie die Blutprobe behandelt wurde, weil der gemessene Wert im ungekühlten Röhrchen von allein weiter steigt. Danach kommen die Versorgung mit den beteiligten B-Vitaminen, eine verbreitete genetische Variante des Enzyms MTHFR und die Nierenfunktion, die mitbestimmt, wie viel Homocystein den Körper verlässt. Dazu wirken Lebensalter, Geschlecht, Rauchen, Kaffee, Alkohol und eine eiweißreiche Mahlzeit kurz vor der Entnahme auf die Zahl ein. Welcher dieser Einflüsse im Einzelfall zählt, klärt die ärztliche Beurteilung anhand des vollständigen Befunds.
Kann Stress den Homocystein-Wert erhöhen?
Untersuchungen beschreiben einen Zusammenhang zwischen anhaltender Belastung und höheren Homocystein-Werten, die Ergebnisse dieser Arbeiten fallen jedoch unterschiedlich aus. Plausibel ist vor allem der Umweg über das Verhalten, denn wer über Wochen unter Druck steht, raucht häufig mehr, trinkt mehr Kaffee und isst anders, und diese Größen tauchen in der Literatur einzeln als Einflüsse auf. Ein einzelner erhöhter Befund lässt sich damit nicht erklären, solange die Frage nach der Probenverarbeitung offen ist.
Warum muss die Blutprobe für Homocystein schnell zentrifugiert werden?
Weil die roten Blutkörperchen nach der Entnahme weiter Homocystein bilden und an das umgebende Plasma abgeben. Bei Zimmertemperatur steigt der Wert dadurch um etwa fünf bis fünfzehn Prozent pro Stunde an, ohne dass sich im Körper des Menschen irgendetwas verändert hätte. Die Fachliteratur verlangt deshalb, das Blut sofort zu kühlen, innerhalb von 30 Minuten zu zentrifugieren und das Plasma abzutrennen. Alternativ gibt es Röhrchen mit einem Hemmstoff, der diese Nachbildung von vornherein unterbindet.
Was hat der Homocystein-Wert mit Vitamin B12 und Folat zu tun?
Homocystein wird auf zwei Wegen weiterverarbeitet, und an beiden sind Enzyme beteiligt, die B-Vitamine als Cofaktor benötigen. Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B12 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B6 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Der Wert beschreibt damit, wie gut dieser Umbau gerade funktioniert, und nicht, wie viel von einem einzelnen Vitamin im Körper vorhanden ist.
Lässt sich ein erhöhter Homocystein-Wert senken?
Vor jeder Überlegung in diese Richtung steht die Frage, ob das erste Ergebnis überhaupt belastbar war, denn ein Wert aus einem Röhrchen, das eine Stunde ungekühlt gestanden hat, wird nicht gesenkt, sondern richtiggestellt. Für die beteiligten Vitamine ist der Rahmen dessen, was gesagt werden darf, in der Europäischen Union festgelegt und besteht aus drei Fassungen. Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B12 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B6 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Was über diese Fassungen hinausgeht und was im Einzelfall daraus folgt, gehört in die ärztliche Beurteilung.
Hat ein erhöhter Homocystein-Wert Symptome?
Er macht sich von selbst nicht bemerkbar, denn die Konzentration einer Zwischenstufe im Blut ist nichts, was ein Mensch spüren könnte, und ein Ergebnis von 14 µmol/l fühlt sich genauso an wie eines von 8 µmol/l. Auffällig wird die Zahl deshalb fast immer bei einer Blutabnahme, die aus einem ganz anderen Anlass stattgefunden hat. Das österreichische Gesundheitsportal ordnet Ergebnisse zwischen 15 und 30 µmol/l meist einem Mangel der Vitamine Folsäure, B6 und/oder B12 zu und Ergebnisse über 30 µmol/l dem Verdacht auf eine angeborene, mischerbige Störung des Homocystein-Stoffwechsels.
Erhöht Kaffee den Homocystein-Wert?
In kontrollierten Versuchen ja, und zwar in messbarer Größenordnung. Ein randomisierter Versuch mit 26 gesunden Teilnehmenden im American Journal of Clinical Nutrition ergab nach drei bis vier Wochen mit einem Liter Filterkaffee am Tag nüchtern 9,6 µmol/l gegenüber 8,1 µmol/l in der kaffeefreien Phase, also 18 Prozent mehr, während die gemessenen Konzentrationen der beteiligten B-Vitamine unverändert blieben. Ein zweiter Versuch mit ungefiltertem Kannenkaffee kam bei 64 Teilnehmenden auf einen Anstieg von 12,8 auf 14,0 µmol/l. Wer zwei Befunde vergleichen möchte, hält die Tage davor deshalb gleich.
Was bedeutet ein sehr niedriger Homocystein-Wert?
Sehr niedrige Ergebnisse gelten nicht als Alarmzeichen, tauchen in der Literatur aber im Zusammenhang mit einer knappen Eiweißzufuhr auf, weil Homocystein aus dem Eiweißbaustein Methionin hervorgeht. Ein einzelner niedriger Wert ist damit vor allem ein Hinweis darauf, dass der Umbau zügig läuft. Eine Einordnung ergibt sich erst zusammen mit den übrigen Werten des Befunds und der ärztlichen Beurteilung.
Clara Lambracht
Über die Autorin
Clara Lambracht · Ernährungsexpertin

Clara Lambracht ist Ernährungsexpertin und schreibt über Vitamine, Mineralstoffe und einen alltagstauglichen Umgang mit Nährstoffmängeln. Ihr Anspruch: fundiert recherchiert, verständlich erklärt und frei von Marketing-Versprechen.