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Folsäure-Blutwert zu niedrig oder zu hoch: was er zeigt

Ein Folsäure-Wert auf dem Befund beschreibt meistens nur die letzten Tage und nicht den Vorrat im Gewebe. Welche der beiden Folat-Messungen auf dem Ausdruck steht, was ein Ergebnis über 20 bedeutet, warum zwei Labore verschiedene Grenzen drucken und was die Zahl auf dem Weg ins Labor noch verschiebt.

Clara Lambracht
Clara Lambracht
Ernährungsexpertin
· 15 Min. Lesezeit ·akt. 18. Oktober 2026
Lichtgeschützt vorbereitete und gekühlte Blutprobe, wie sie für die Bestimmung des Folatwerts verlangt wird
Worum es hier geht

Folat ist ein B-Vitamin, das der Körper mit der Nahrung aufnimmt und nur in begrenzter Menge vorrätig hält. Der Blutwert zeigt, wie gut diese Versorgung gerade gedeckt ist, und nicht, wie viel davon in einzelnen Geweben ankommt. Ein niedriges Ergebnis steht deshalb für eine knappe Versorgung in den Tagen davor, ein hohes meistens dafür, dass kurz vor der Blutentnahme reichlich zugeführt wurde. Bestimmt wird der Wert aus einer Blutprobe und auf dem Befund entweder in Nanogramm je Milliliter oder in Nanomol je Liter angegeben, abgekürzt ng/ml und nmol/l.

Ein Pfeil neben der Folsäure zeigt in beide Richtungen, und in beiden Fällen beschreibt die Zahl die letzten Tage und nicht den Vorrat im Gewebe, weil auf deutschen Befunden fast immer das Serum-Folat steht und dieses genau den kurzen Zeitraum abbildet. Wie knapp oder wie reichlich das Ergebnis aussieht, entscheidet dabei häufiger die Einheit als die Versorgung: dieselbe Blutprobe ergibt 5 ng/ml und 11,3 nmol/l, weil zwischen den beiden Einheiten der Faktor 2,27 steht, und wer seinen Wert aus dem einen System gegen eine Grenze aus dem anderen hält, liegt um mehr als das Doppelte daneben. Dazu kommt, dass die Labore verschiedene Grenzen drucken, beim Serum 4,5 ng/ml bei labor-augsburg-mvz.de und 3,9 ng/ml bei endokrinologikum-aesculabor.de, sodass dasselbe Ergebnis auf dem einen Ausdruck unauffällig und auf dem anderen grenzwertig aussieht, und dass mehrere dieser Labore für das Serum-Folat überhaupt keine Obergrenze angeben. Wer eine auffällige Zahl vor sich hat, klärt deshalb zuerst drei Dinge in derselben Zeile desselben Befunds: welche Einheit dort steht, welcher Bereich danebengedruckt ist und ob Serum oder Erythrozyten bestimmt wurden.

Was ein niedriger Folsäure-Wert bedeutet

Ein niedriger Serumwert sagt zunächst nur, dass in den Tagen vor der Entnahme wenig Folat zugeführt oder viel verbraucht wurde, und er ist damit ein Hinweis auf die laufende Versorgung und noch keine Aussage über den Vorrat. Dieser Unterschied entscheidet darüber, wie ernst eine einzelne Zahl zu nehmen ist. Steht das Erythrozyten-Folat daneben und liegt ebenfalls niedrig, beschreibt der Befund einen längeren Zeitraum und wiegt entsprechend schwerer.

Auf dem Ausdruck steht dabei in aller Regel „Folsäure”, gemeint ist jedoch die gesamte Gruppe der Folate: Folat ist der Sammelbegriff für die Verbindungen aus Lebensmitteln, Folsäure die synthetische und besonders haltbare Form aus Präparaten und angereicherten Produkten. Das übliche Messverfahren trennt die beiden nicht, sondern erfasst sie zusammen, weshalb die Bezeichnung auf dem Befund weniger genau ist als sie klingt.

Verfolgt wird die Versorgung überhaupt deshalb, weil der Körper Folat für Vorgänge benötigt, die ununterbrochen ablaufen, und davon nur begrenzte Reserven bereithält. Folat hat eine Funktion bei der Zellteilung. Folat trägt zu einer normalen Blutbildung bei. Aus dieser Beteiligung an laufenden Prozessen erklärt sich, warum eine Zahl aus dem Serum so kurzlebig ist.

Zwei weitere der insgesamt acht zugelassenen Angaben gehören an dieser Stelle daneben, weil sie erklären, warum die Bestimmung überhaupt so oft angefordert wird. Folat trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Folat trägt zur normalen psychischen Funktion bei. Beide Fassungen benennen einen Beitrag zu einem normalen Ablauf und keine Wirkung gegen ein Beschwerdebild, und auf dem Anforderungsschein landet das Folat trotzdem meistens nicht wegen der Blutbildung, sondern weil jemand seit Wochen erschöpft ist. Welche zwei oder drei Werte in dieser Lage sonst noch etwas beitragen, führt unser Artikel zu Nährstoffen bei anhaltenden Konzentrationsproblemen aus.

Ebenso wichtig ist, was die Zahl nicht leistet: Sie sagt weder, wie viel Folat in den Geweben gespeichert liegt, noch, wie lange eine knappe Versorgung schon besteht. Wer aus einem einzelnen Serumwert eine Aussage über Monate ableiten möchte, verlangt der Messgröße etwas ab, für das sie nicht gemacht ist.

Was aus einem niedrigen Wert folgt, ergibt sich deshalb nicht aus der Zahl allein, sondern aus dem übrigen Befund und aus der persönlichen Situation. Wer sich vorab einen Überblick verschaffen möchte, welche Nährstoffe für die eigene Lebenssituation überhaupt eine Rolle spielen, findet im Selbsttest zur Nährstoffversorgung eine erste Orientierung, die Folsäure ausdrücklich einschließt. Die ausführliche Darstellung zu Anzeichen, Ursachen und ärztlichem Vorgehen steht auf unserer Seite zu Folsäuremangel mit Symptomen und Ursachen.

Woran ein niedriger Folsäure-Wert liegen kann

Die Gründe für eine knappe Versorgung ordnet die Fachliteratur drei Ebenen zu, und diese Einteilung hilft beim Weiterdenken mehr als eine lange Aufzählung einzelner Anlässe.

  1. Zufuhr: eine einseitige Kost, ein längerer Zeitraum mit wenig Appetit und regelmäßiger Alkoholkonsum.
  2. Aufnahme: Störungen im Dünndarm, in dem Folat aufgenommen wird, sowie Eingriffe, die diesen Abschnitt betreffen.
  3. Bedarf: die Schwangerschaft, in der die Anforderungen an die Versorgung steigen.

Auf der ersten Ebene fällt der regelmäßige Alkoholkonsum besonders auf, weil er in der Fachliteratur zugleich bei der zweiten genannt wird: er geht häufig mit einer einseitigen Kost einher und beeinträchtigt zusätzlich die Aufnahme im Dünndarm. Eine längere Zeit mit wenig Appetit wirkt in dieselbe Richtung, ohne dass sich an den Gewohnheiten sonst etwas geändert haben muss.

Die zweite Ebene betrifft den Dünndarm selbst, und sie ist der Grund, warum ein Blutwert allein hier nicht weiterkommt: Die Zahl unterscheidet nicht zwischen zu wenig auf dem Teller und zu wenig durch die Darmwand, obwohl genau das über das weitere Vorgehen entscheidet.

Auf der dritten Ebene steigen die Anforderungen an die Versorgung, ohne dass mit Zufuhr oder Aufnahme etwas nicht stimmt. Folat trägt zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei. Hinzu kommen einzelne Arzneistoffe, die in das Gespräch über einen niedrigen Wert hineingehören. Auf allen drei Ebenen liegt die Klärung bei der behandelnden Praxis, weil sich die Wege nur im Zusammenhang mit dem gesamten Befund auseinanderhalten lassen.

Serum-Folat oder Erythrozyten-Folat: welcher Wert steht auf dem Befund?

Die beiden Werte beantworten verschiedene Fragen, und genau darin liegt der praktische Nutzen der zweiten Bestimmung. Das Serum-Folat zeigt, was gerade zirkuliert, und reagiert innerhalb von Stunden auf eine Mahlzeit oder auf ein Präparat. Das Erythrozyten-Folat wird aus EDTA-Vollblut bestimmt und beschreibt, womit die roten Blutkörperchen bei ihrer Entstehung beladen wurden, also einen Zeitraum von Monaten. Die biologische Halbwertszeit von Folat wird mit rund 100 Tagen angegeben, und diese Größenordnung findet sich im Erythrozytenwert wieder.

MerkmalSerum-FolatErythrozyten-Folat
ProbenmaterialSerumEDTA-Vollblut
VerfahrenECLIAECLIA
abgebildeter Zeitraumdie letzten Tagedie letzten Monate
Untergrenze bei labor-augsburg-mvz.de4,5 ng/ml400 ng/ml
Bereich bei einem zweiten Labor> 3,9 ng/ml (endokrinologikum-aesculabor.de)523 bis 1257 ng/ml (bioscientia.info)
empfindlich gegenüberMahlzeit kurz vorher, Licht, WärmeHämolyse, Transportdauer, Wärme

Die Zahlenräume der beiden Spalten haben nichts miteinander zu tun, und das ist der häufigste Anlass für Verwirrung vor einem Befund mit beiden Werten. In den roten Blutkörperchen liegt die Folatkonzentration rund vierzigmal höher als im Plasma, weshalb dort dreistellige Werte normal sind, wo im Serum einstellige stehen. Aufschlussreich ist dabei die vorletzte Zeile: Für das Serum druckt das eine Labor allein eine Untergrenze, für die Erythrozyten nennt das andere einen Bereich mit Ober- und Untergrenze. Für die Praxis heißt das, dass die Frage nach dem gewünschten Zeitraum vor der Blutentnahme geklärt gehört, weil eine nachträgliche Bestimmung des Erythrozyten-Folats aus derselben Probe nicht möglich ist.

Welcher Referenzbereich gilt für den Folsäure-Wert?

Es gilt der Bereich, den das eigene Labor neben das eigene Ergebnis druckt, und diese Antwort ist keine Ausflucht. Zwischen den 4,5 ng/ml von labor-augsburg-mvz.de und den 3,9 ng/ml von endokrinologikum-aesculabor.de liegt eine schmale Zone, in der dasselbe Ergebnis auf dem einen Ausdruck unauffällig und auf dem anderen grenzwertig aussieht, ohne dass sich an der Person irgendetwas geändert hätte.

In der Fachliteratur wird der Bereich für Erwachsene mit etwa 4 bis 20 ng/ml angegeben, was ungefähr 9 bis 45 nmol/l entspricht, und ausdrücklich als methodenabhängig bezeichnet. Als Grenzbereich gelten dort etwa 3 bis 5 ng/ml, unterhalb davon spricht die Literatur von einem Mangel an zirkulierendem Folat. Die Weltgesundheitsorganisation stuft ein Serum-Folat unter 10 nmol/l, umgerechnet knapp 4,4 ng/ml, als niedrige Versorgung ein. Diese Schwellen stammen aus verschiedenen Zusammenhängen und sind nicht dafür gedacht, gegeneinander gestellt zu werden.

Der gemeinsame Nenner all dieser Angaben ist das Verfahren. Die genannten Labore bestimmen Folat per Elektrochemilumineszenz-Immunoassay, abgekürzt ECLIA, und jedes Verfahren bringt seine eigene Kalibrierung und damit seinen eigenen Referenzbereich mit. Ein Vergleich zweier Befunde aus verschiedenen Häusern vergleicht deshalb nicht nur zwei Blutproben, sondern auch zwei Messsysteme, und wer seinen Verlauf über Jahre verfolgen möchte, bleibt am besten beim selben Labor.

ng/ml oder nmol/l: warum dieselbe Probe zwei Zahlen ergibt

Beide Einheiten beschreiben dieselbe Menge, nur einmal als Gewicht und einmal als Teilchenzahl, und die Umrechnung dazwischen ist reine Arithmetik. Folsäure hat eine Molmasse von rund 441 Gramm je Mol, und daraus ergibt sich der Faktor 2,27 von Nanogramm je Milliliter auf Nanomol je Liter sowie der Kehrwert 0,44 für den Weg zurück. Aus 5 ng/ml werden damit 11,3 nmol/l, aus 12 nmol/l werden 5,3 ng/ml.

Praktisch wird das in dem Moment, in dem jemand die eigene Zahl gegen eine Angabe aus einer anderen Quelle hält. Ein Serumwert von 4,2 ng/ml entspricht 9,5 nmol/l und unterschreitet damit die Schwelle von 10 nmol/l, mit der die Weltgesundheitsorganisation arbeitet. Wer die 4,2 versehentlich gegen diese 10 hält, hält ein Ergebnis für weit entfernt von der Grenze, das sie in Wahrheit knapp unterschreitet.

Nährstoffbefunde haben dieses Problem nicht nur beim Folat. Beim Vitamin D stehen ebenfalls zwei Einheiten nebeneinander im Umlauf, sodass dieselbe Blutprobe je nach Befund als zwei völlig verschiedene Zahlen erscheint, wie unser Artikel zu 25-OH-Vitamin D in ng/ml und nmol/l im Einzelnen beschreibt. Die Regel ist in beiden Fällen dieselbe und lässt sich in einem Satz merken: Zahl und Bereich stammen immer aus derselben Zeile desselben Befunds.

Was verschiebt den Folsäure-Wert, bevor er im Labor ankommt?

Folat gehört zu den empfindlichsten Größen auf einem Nährstoffbefund, und der Weg der Probe entscheidet mit über das Ergebnis. Die Verbindung zerfällt unter UV-Licht, unter Sauerstoff und in der Wärme, weshalb endokrinologikum-aesculabor.de für die Bestimmung ausdrücklich Serum verlangt, das gefroren und vor Licht geschützt transportiert wird. Für das Erythrozyten-Folat aus EDTA-Vollblut nennt bioscientia.info eine begrenzte Stabilität von zwei Tagen bei Raumtemperatur und verlangt umgehenden Versand ins Labor. Eine Probe, die über ein langes Wochenende in einem warmen Fahrzeug liegt, liefert am Ende eine Zahl, die mehr über den Transport aussagt als über die Versorgung.

Die zweite Störgröße arbeitet in die entgegengesetzte Richtung. Bei einer Hämolyse platzen rote Blutkörperchen in der Probe auf und geben ihren Inhalt an das umgebende Serum ab, und weil in ihnen ein Vielfaches der Folatmenge des Plasmas steckt, hebt schon eine geringe Beimischung den gemessenen Serumwert deutlich an. Ein auf diesem Weg entstandener hoher Wert fällt niemandem auf, solange der Befund für sich allein gelesen wird, und er ist der Grund, warum Labore eine saubere Entnahmetechnik und eine zügige Verarbeitung verlangen.

Dazu kommt der Zeitpunkt der Entnahme, und er lässt sich anders als der Transportweg vollständig steuern. Für das Serum-Folat wird eine Blutentnahme am Morgen und nach mehreren Stunden ohne Mahlzeit empfohlen, weil der Wert nach dem Essen und nach der Einnahme eines Präparats vorübergehend ansteigt. Und schließlich stört Biotin in größerer Menge, wie es in manchen Präparaten für Haut, Haare und Nägel enthalten ist, das Messverfahren selbst, weshalb bioscientia.info einen zeitlichen Abstand zwischen der letzten Einnahme und der Blutentnahme verlangt.

Was bedeutet ein hoher Folsäure-Wert?

Ein hoher Wert bedeutet in den allermeisten Fällen, dass kurz vor der Entnahme Folat zugeführt wurde. Ein Präparat, ein angereichertes Frühstücksprodukt oder eine folatreiche Mahlzeit am Vorabend genügen, um das Serum-Folat sichtbar anzuheben, ohne dass sich am Vorrat im Gewebe etwas geändert haben muss. Genau deshalb ist die nüchterne Entnahme keine Formalie, sondern die Bedingung dafür, dass die Zahl überhaupt etwas über die Versorgung aussagt und nicht über das Frühstück.

Die zweite Frage bei einem hohen Folatwert betrifft das Vitamin B12, und sie ist der Grund, warum viele Labore die beiden Werte gemeinsam anbieten. Beide Stoffe treffen im selben Stoffwechselschritt aufeinander, in dem der Körper Homocystein weiterverarbeitet. Folat trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Vitamin B12 trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei. Weil sich die beiden an dieser Stelle begegnen, wird ein Folatbefund selten allein beurteilt, und der Homocysteinwert dient dabei als dritte Größe, die den Vorgang selbst beschreibt statt eines Vorrats.

Wie diese dritte Größe zustande kommt und warum bei ihr die Verarbeitungszeit der Probe über den Befund entscheidet, beschreibt unser Artikel zum Homocystein-Wert und seiner Aussagekraft. Welche Einheiten beim Vitamin B12 nebeneinander im Umlauf sind, ordnet unser Artikel zum Vitamin-B12-Wert in pmol/l und ng/l ein.

Folsäure-Wert über 20: woher die Zahl stammt und was sie bedeutet

Die 20, an der sich diese Frage festmacht, stammt nicht von einem einzelnen Labor, sondern aus dem Bereich von etwa 4 bis 20 ng/ml, den die Fachliteratur für Erwachsene angibt und ausdrücklich als methodenabhängig bezeichnet. Auf dem eigenen Ausdruck steht diese Obergrenze häufig gar nicht, denn labor-augsburg-mvz.de nennt für das Serum-Folat allein eine untere Grenze und endokrinologikum-aesculabor.de ebenfalls. Ein Ergebnis, neben dem keine Obergrenze gedruckt ist, lässt sich auch nicht gegen eine überschreiten, und die erste Frage bei einer hoch wirkenden Zahl lautet deshalb, ob in der eigenen Befundzeile überhaupt eine obere Grenze steht.

Die zweite Frage betrifft die Einheit, und sie entscheidet diesen Fall häufiger als die Versorgung. Zwanzig Nanogramm je Milliliter entsprechen rund 45,4 nmol/l, weil der Faktor 2,27 am oberen Ende des Bereichs genauso gilt wie am unteren. Ein Befund mit 24 nmol/l trägt damit zwar die größere Zahl, liegt aber bei etwa 10,6 ng/ml und damit in der Mitte des genannten Bereichs. Dasselbe gilt für höhere Werte: 30 und 40 nmol/l entsprechen 13,2 und 17,6 ng/ml und liegen noch innerhalb des Bereichs, während dieselben Zahlen in Nanogramm je Milliliter deutlich darüber liegen. Wer die eigene Zahl ohne die zugehörige Einheit gegen eine Grenze aus einer anderen Quelle hält, erzeugt den vermeintlich hohen Wert damit erst.

Bleibt das Ergebnis auch nach dieser Prüfung oberhalb des gedruckten Bereichs, lohnt sich ein Blick darauf, was eine Obergrenze überhaupt beschreibt. Sie markiert die Spanne, innerhalb derer die Ergebnisse einer Vergleichsgruppe liegen, und keinen Punkt, an dem etwas beginnt. Wie diese Bereiche zustande kommen und warum sie von Labor zu Labor wandern, führt unser Artikel zum Referenzbereich auf dem Laborbefund aus. Ein Wert oberhalb der Spanne ist nach allem, was die Messgröße hergibt, ein Anlass zu fragen, woher er stammt, und für sich genommen noch keine Aussage.

Die Herkunft ist meistens schnell gefunden, und die Zufuhrzahlen zeigen, warum. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Referenzwert für Jugendliche und Erwachsene 300 Mikrogramm Folat-Äquivalente am Tag, während die Nationale Verzehrsstudie für die mittlere Zufuhr aus der Ernährung 207 Mikrogramm bei Männern und 184 Mikrogramm bei Frauen ermittelt hat. Die übliche Kost in Deutschland liegt im Mittel also unterhalb des Referenzwerts, und ein auffällig hohes Serum-Folat stammt entsprechend selten vom Teller allein, sondern aus einem Präparat, aus einem angereicherten Produkt oder aus beidem in den Tagen vor der Entnahme. Welche Lebensmittel überhaupt nennenswerte Mengen beitragen, rechnet unser Artikel zu folatreichen Lebensmitteln nach Portion durch.

Die dritte Erklärung steckt in der Probe selbst: Bei einer Hämolyse gelangt Folat aus den roten Blutkörperchen in das umgebende Serum, wo ein Bruchteil dieser Menge bereits den gemessenen Wert anhebt. Ein hohes Ergebnis ohne jede Zufuhr in den Tagen davor spricht deshalb zuerst für eine Wiederholung der Entnahme.

Was in dieser Lage regelmäßig durcheinandergerät, sind schließlich zwei Zahlen, die nichts miteinander zu tun haben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt für Erwachsene 1.000 Mikrogramm Folsäure am Tag als tolerierbare Gesamtzufuhrmenge, und diese Angabe beschreibt eine Menge pro Tag aus allen Quellen zusammen, während ein Laborwert eine Konzentration im Blut zu einem einzigen Zeitpunkt beschreibt. Die beiden lassen sich nicht ineinander umrechnen, weshalb eine Suche nach der Obergrenze regelmäßig bei Angaben landet, die auf den eigenen Befund gar nicht passen. Was aus einem Ergebnis oberhalb des Bereichs folgt, klärt die behandelnde Praxis anhand des gesamten Befunds und der eingenommenen Präparate.

Woher stammt Folat, und warum geht davon so viel verloren?

Folat kommt vor allem in grünem Blattgemüse, in Hülsenfrüchten, in Kohlgemüse, in Vollkornprodukten sowie in Eiern und Leber vor, und der Haken an dieser Herkunft ist dieselbe Empfindlichkeit, die auch im Labor Probleme macht: Folat aus Lebensmitteln ist wasserlöslich und zerfällt unter Hitze, unter Licht und an der Luft, sodass ein erheblicher Teil beim Lagern, Waschen und Kochen verloren geht.

Aus dieser Empfindlichkeit erklärt sich, warum Ernährungsangaben nicht in reinem Folat gerechnet werden, sondern in Folat-Äquivalenten. Die synthetische Folsäure aus Präparaten und aus angereicherten Lebensmitteln ist stabiler und wird vom Körper vollständiger aufgenommen als das natürliche Folat aus der Kost, und die Äquivalente rechnen diesen Unterschied heraus: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung setzt 1 Mikrogramm Folat-Äquivalent gleich 1 Mikrogramm Nahrungsfolat und gleich 0,5 Mikrogramm synthetische Folsäure, sodass dieselbe Menge aus einem Präparat doppelt so hoch zu Buche schlägt wie aus dem Gemüse. Eine Angabe auf einer Verpackung und eine Angabe in Folat-Äquivalenten in einer Nährwerttabelle beschreiben deshalb nicht dasselbe, auch wenn beide nach einer Menge aussehen.

Für den Blutwert hat das eine Folge, die auf keinem Befund steht. Wer seine Ernährung kurz vor der Blutentnahme umstellt, verändert das Serum-Folat innerhalb weniger Tage, das Erythrozyten-Folat dagegen kaum, und umgekehrt bleibt ein gut gefüllter Speicher im Erythrozytenwert noch monatelang sichtbar, während das Serum bereits sinkt. Wer die beiden zusammen liest, erkennt an dieser Verschiebung mehr als an jeder einzelnen Zahl.

Was sich aus einem einzelnen Folsäure-Wert ableiten lässt

Aus einem einzelnen Serumwert lässt sich in beide Richtungen weniger ableiten, als seine Genauigkeit auf dem Ausdruck vermuten lässt. Die Zahl beschreibt die letzten Tage, sie hängt an der Mahlzeit vor der Entnahme und am Licht auf dem Transportweg, und sie ist nur gegen den Bereich zu lesen, der in derselben Zeile steht.

Wer einen auffälligen Befund vor sich hat, geht deshalb in dieser Reihenfolge vor: zuerst die Einheit prüfen, dann den daneben gedruckten Bereich mit seiner Unter- und gegebenenfalls Obergrenze, dann die Frage, ob Serum oder Erythrozyten bestimmt wurden, und erst danach das Ergebnis selbst. Liegt die Zahl danach immer noch außerhalb, ist eine Wiederholung unter sauberen Bedingungen sinnvoller als jede Deutung.

Die Einordnung selbst gehört in ärztliche Hände, weil sie den gesamten Befund, die eingenommenen Präparate und die persönliche Situation einbezieht. Was ein Mensch mit dem Ausdruck in der Hand beitragen kann, ist die Vorarbeit: die Umstände der Entnahme kennen, die richtige Messgröße für die eigene Frage wählen und den Verlauf beim selben Labor verfolgen.

Wichtiger Hinweis
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Beschwerden ist die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt sinnvoll, bevor du dosierst.

Häufige Fragen

Was bedeutet ein zu niedriger Folsäure-Wert?
Ein niedriger Serumwert bedeutet zunächst, dass in den Tagen vor der Blutentnahme wenig Folat zugeführt oder viel verbraucht wurde, denn das Serum-Folat bildet genau diesen kurzen Zeitraum ab. Über den Vorrat im Gewebe sagt die Zahl für sich genommen nichts, und über die Dauer einer knappen Versorgung ebenfalls nicht. Aussagekräftiger wird der Befund, wenn das Erythrozyten-Folat danebensteht, weil dieser zweite Wert Monate abdeckt. Die Einordnung eines niedrigen Ergebnisses gehört in ärztliche Hände, weil sie den übrigen Befund und die persönliche Situation einbezieht.
Welcher Folsäure-Wert gilt als normal?
Maßgeblich ist der Bereich, der auf dem eigenen Befund neben dem Ergebnis steht, denn er gehört zum Messverfahren dieses Labors. Die veröffentlichten Untergrenzen für das Serum liegen im deutschsprachigen Raum eng beieinander und stimmen doch nicht überein: labor-augsburg-mvz.de druckt "ab 4,5 ng/ml", endokrinologikum-aesculabor.de "> 3,9 ng/ml". In der Fachliteratur wird der Bereich für Erwachsene mit etwa 4 bis 20 ng/ml angegeben und ausdrücklich als methodenabhängig bezeichnet. Ein Ergebnis aus einem Labor gegen die Grenze eines anderen zu halten führt deshalb regelmäßig in die Irre.
Was ist der Unterschied zwischen Serum-Folat und Erythrozyten-Folat?
Das Serum-Folat beschreibt die Menge, die gerade im Blut unterwegs ist, und reagiert innerhalb von Stunden auf eine Mahlzeit oder ein Präparat. Das Erythrozyten-Folat wird aus EDTA-Vollblut bestimmt und beschreibt, womit die roten Blutkörperchen bei ihrer Bildung beladen wurden, also einen Zeitraum von Monaten. Weil die Konzentration in den roten Blutkörperchen rund vierzigmal höher liegt als im Plasma, bewegen sich beide Werte in völlig verschiedenen Zahlenräumen und lassen sich nicht miteinander vergleichen.
Wie rechnet man den Folsäure-Wert von ng/ml in nmol/l um?
Ein Wert in Nanogramm je Milliliter wird mit 2,27 multipliziert, um auf Nanomol je Liter zu kommen, und ein Wert in nmol/l mit 0,44, um zurück auf ng/ml zu gelangen. Der Faktor stammt aus der Molmasse der Folsäure von rund 441 Gramm je Mol und ist keine Konvention, sondern reine Umrechnung. Aus 5 ng/ml werden auf diesem Weg 11,3 nmol/l, aus 12 nmol/l werden 5,3 ng/ml.
Muss man für die Bestimmung des Folsäure-Werts nüchtern sein?
Eine Blutentnahme am Morgen und nach mehreren Stunden ohne Mahlzeit wird für das Serum-Folat empfohlen, weil der Wert kurz nach dem Essen oder nach der Einnahme eines Präparats vorübergehend ansteigt. Für das Erythrozyten-Folat spielt der Zeitpunkt eine deutlich kleinere Rolle, weil dieser Wert einen langen Zeitraum abbildet. Wer beides bestimmen lässt, richtet sich nach der strengeren Vorgabe und geht nüchtern zur Entnahme.
Warum reagiert der Folsäure-Wert so empfindlich auf den Transport?
Folat zerfällt unter UV-Licht, unter Sauerstoff und in der Wärme, weshalb Labore die Probe vor Licht geschützt und je nach Analyt gefroren oder gekühlt verlangen. Dazu kommt die Hämolyse, also das Zerplatzen roter Blutkörperchen in der Probe: weil in ihnen ein Vielfaches der Folatmenge des Plasmas steckt, hebt jede Beimischung den gemessenen Serumwert an. Für EDTA-Vollblut nennt bioscientia.info eine begrenzte Stabilität von zwei Tagen bei Raumtemperatur und verlangt umgehenden Versand.
Was bedeutet ein hoher Folsäure-Wert?
In den meisten Fällen bedeutet er, dass kurz vor der Entnahme Folat zugeführt wurde, sei es über ein Präparat, über ein angereichertes Lebensmittel oder über eine folatreiche Mahlzeit. Das Serum-Folat bildet die letzten Tage ab und steigt deshalb schnell an, ohne dass sich am Vorrat im Gewebe etwas geändert haben muss. Die zweite Möglichkeit entsteht in der Probe selbst: Bei einer Hämolyse tritt Folat aus den roten Blutkörperchen in das umgebende Serum über und hebt den gemessenen Wert an. Weil Folat und Vitamin B12 im selben Stoffwechselschritt zusammentreffen, bestimmen Labore die beiden Werte häufig gemeinsam und beurteilen sie auch gemeinsam.
Was bedeutet ein Folsäure-Wert über 20?
Die 20 stammt aus dem Bereich von etwa 4 bis 20 ng/ml, den die Fachliteratur für Erwachsene nennt und ausdrücklich als methodenabhängig bezeichnet. Bevor ein Ergebnis dagegen gehalten wird, gehört zweierlei geprüft: ob auf dem eigenen Befund überhaupt eine Obergrenze steht, denn mehrere Labore drucken für das Serum-Folat nur eine untere Grenze, und in welcher Einheit das Ergebnis angegeben ist. In Nanomol je Liter entsprechen 20 ng/ml rund 45 nmol/l, sodass ein Befund mit 24 nmol/l trotz der größeren Zahl bei etwa 10,6 ng/ml und damit in der Mitte des Bereichs liegt. Liegt der Wert auch nach dieser Prüfung oberhalb des gedruckten Bereichs, ist die Zufuhr in den Tagen davor die häufigste Erklärung.
Ab welchem Wert gilt Folsäure als zu hoch?
Maßgeblich ist allein die Obergrenze, die das eigene Labor neben das eigene Ergebnis druckt, sofern es eine druckt. Eine allgemein gültige Zahl, oberhalb derer ein Folatwert im Blut als zu hoch gilt, existiert nicht, und die Grenzen der Labore unterscheiden sich wie bei den Untergrenzen nach Verfahren und Kalibrierung. Die bekannte Zahl von 1.000 Mikrogramm Folsäure am Tag, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit als tolerierbare Gesamtzufuhrmenge für Erwachsene nennt, beschreibt eine Menge pro Tag und keinen Messwert im Blut. Beide Zahlen lassen sich nicht ineinander umrechnen und beantworten verschiedene Fragen.
Kann ein einzelner Folsäure-Wert eine Versorgungslage abschließend klären?
Ein einzelner Serumwert ist eine Momentaufnahme der letzten Tage und trägt für sich genommen wenig. Aussagekräftiger wird die Einordnung, wenn das Erythrozyten-Folat danebensteht, wenn die Einheit und der gedruckte Bereich desselben Befunds verwendet werden und wenn die Umstände der Entnahme bekannt sind. Die Beurteilung des Ergebnisses gehört in ärztliche Hände, weil sie den übrigen Befund und die persönliche Situation einbezieht.
Clara Lambracht
Über die Autorin
Clara Lambracht · Ernährungsexpertin

Clara Lambracht ist Ernährungsexpertin und schreibt über Vitamine, Mineralstoffe und einen alltagstauglichen Umgang mit Nährstoffmängeln. Ihr Anspruch: fundiert recherchiert, verständlich erklärt und frei von Marketing-Versprechen.