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Ständig erkältet: Können fehlende Vitamine eine Rolle spielen?

Zwei bis vier Erkältungen im Jahr sind bei Erwachsenen der Durchschnitt. Welche Nährstoffwerte die Frage beantworten, in welcher Einheit sie kommen und warum eine Blutabnahme mitten im Infekt das Ergebnis verschiebt.

Clara Lambracht
Clara Lambracht
Ernährungsexpertin
· 15 Min. Lesezeit ·akt. 20. September 2026
Tief stehende Oktobersonne im Nebel über nassem Laub und Gras im Gegenlicht
Worum es hier geht

Vitamine und Mineralstoffe sind Bausteine, die der Körper für seine täglichen Abläufe braucht und größtenteils über das Essen aufnehmen muss. Ein Blutwert dazu zeigt, wie viel davon gerade im Umlauf oder im Speicher ist, und er zeigt nicht, warum jemand häufig krank wird. Ein niedriges Ergebnis spricht dafür, dass die Versorgung knapp geworden ist, ein Ergebnis innerhalb des Laborbereichs spricht dagegen. Bestimmt wird das in einer Blutprobe, je nach Nährstoff in Nanomol je Liter, in Mikromol je Liter oder in Mikrogramm je Liter.

Wer sich zwischen Oktober und März einen Infekt nach dem anderen einfängt, liegt damit häufig noch im Durchschnitt, denn Erwachsene erkälten sich zwei- bis viermal im Jahr und bei einem Kind sind sechs bis acht Erkältungen aus Kita oder Schule keine Seltenheit. Die Nährstoffversorgung ist eine von mehreren möglichen Erklärungen für eine Häufung und die einzige davon, die sich über einen Blutwert beantworten lässt. Der teuerste Fehler dabei ist die Blutabnahme mitten im Infekt, weil eine laufende Entzündung den Zinkwert im Serum nach unten und das Ferritin nach oben verschiebt und aus beiden Zahlen damit eine Auskunft über den Infekt statt über die Versorgung macht. Wer stattdessen zwei bis drei Wochen Abstand hält und zwei oder drei passende Werte gezielt bestimmen lässt, bekommt aus einer einzigen Blutabnahme eine Antwort, mit der sich weiterarbeiten lässt.

Wie viele Erkältungen im Jahr sind eigentlich normal?

Zwei bis vier Erkältungen pro Jahr sind bei Erwachsenen der Durchschnitt, und bei Kindern gelten sechs bis acht Infekte jährlich als übliche Größenordnung, die sie aus Kindergarten, Hort oder Schule mit nach Hause bringen. Diese Zahlen stehen am Anfang jeder Einordnung, weil das Gefühl, ständig krank zu sein, sich fast nie an einer Zählung orientiert. Drei Erkältungen zwischen November und Februar liegen dicht beieinander und fühlen sich nach einem durchgehenden Winter an, obwohl sie im Jahresschnitt unauffällig sind.

Interessant wird die Frage deshalb weniger über die reine Zahl als über den Verlauf. Ein Infekt, der nach einer Woche abklingt, gehört zum Winter dazu, während eine Häufung mit langen Verläufen, ohne Erholungsphase dazwischen oder mit deutlich schwereren Beschwerden als in früheren Jahren eine andere Frage stellt.

Für alle, die darüber hinaus mehrere Beobachtungen gleichzeitig an sich bemerken, ordnet unser Artikel zu den sieben Anzeichen eines Vitaminmangels die Häufung von Infekten in die anderen Alltagsbeobachtungen ein. Häufige Infekte sind dort eines von sieben Anzeichen, und keines davon legt für sich genommen fest, welcher Nährstoff gemeint ist.

Welche Nährstoffe kommen bei häufigen Infekten überhaupt infrage?

Sechs Nährstoffe tragen nach der europäischen Liste der zugelassenen Angaben zur Funktion des Immunsystems bei, und genau diese sechs sind die Kandidaten für eine Blutabnahme. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Eisen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Vitamin B12 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, und dieselbe Angabe ist auch für Folat zugelassen.

Auf den Wortlaut kommt es dabei an, und er ist deutlich zurückhaltender, als die Werbung für Präparate vermuten lässt. Die Angabe beschreibt einen Beitrag zu einem normalen Ablauf und nicht einen Schutz vor Infekten, und sie sagt nichts darüber, dass jemand mit einer guten Versorgung seltener krank wird als jemand mit einer knappen. Was sie leistet, ist die Begründung dafür, warum diese sechs Werte bei dieser Frage überhaupt auf dem Anforderungsschein stehen und andere nicht.

Praktisch schrumpft die Liste bei den meisten Menschen auf zwei oder drei Werte zusammen. Vitamin D ist wegen der Jahreszeit fast immer dabei, Zink kommt bei einer sehr pflanzlichen Ernährung dazu, und der Eisenspeicher gehört bei Frauen im gebärfähigen Alter ohnehin regelmäßig geprüft. Wer die eigenen Beobachtungen vor dem Praxisbesuch sortieren möchte, findet in unserem Selbsttest zu den acht häufigsten Nährstoffen eine Einordnung, die das Gespräch vorbereitet und die Blutabnahme nicht ersetzt.

Warum verfälscht eine Blutabnahme mitten im Infekt das Ergebnis?

Weil eine laufende Entzündung mehrere der interessanten Werte gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen bewegt, und zwar ohne dass sich an der Versorgung etwas geändert hätte. Der Zinkwert im Serum fällt bei einer Entzündung im Körper ab, weil sich das Zink vorübergehend aus dem Blut in andere Gewebe verlagert, und er erholt sich erst wieder, wenn die Entzündungsreaktion abgeklungen ist. Das Ferritin bewegt sich in die andere Richtung und steigt bei einer Entzündung an, sodass ein leerer Eisenspeicher unter einem unauffälligen Wert verschwindet.

Für den Zeitpunkt der Blutabnahme folgt daraus eine einfache Regel, die im Alltag trotzdem ständig missachtet wird. Wer mit dem Infekt in der Praxis sitzt und bei der Gelegenheit gleich die Nährstoffwerte mitbestimmen lässt, bekommt ein Ergebnis, das den Infekt beschreibt. Ein Abstand von etwa zwei bis drei Wochen nach dem Abklingen der Beschwerden kostet nichts und entscheidet darüber, ob die Zahlen überhaupt die Frage beantworten, für die sie bestimmt wurden.

Deshalb gehört das CRP als Entzündungswert bei dieser Fragestellung mit auf den Schein, und zwar nicht wegen des Infekts, sondern als Kontrolle für die anderen Zahlen. Ein erhöhtes CRP neben einem niedrigen Zink und einem mittleren Ferritin bedeutet, dass beide Werte noch einmal geprüft gehören. Warum der Speicherwert ohne diesen Begleiter regelmäßig falsch gelesen wird, führt unser Artikel zum Ferritin-Wert im Einzelnen aus.

Beim Zink kommen zwei weitere Einflüsse dazu, die nichts mit einem Infekt zu tun haben. Der Wert folgt einem Tagesrhythmus mit den höchsten Konzentrationen am Vormittag und fällt im Lauf des Nachmittags um etwa 15 bis 20 Prozent ab, und er sinkt zusätzlich nach jeder Mahlzeit. Eine Blutabnahme am frühen Vormittag und nüchtern ist deshalb keine Förmlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass sich das Ergebnis mit dem Referenzbereich daneben überhaupt vergleichen lässt.

Diese Empfindlichkeit hat einen Grund, der jenseits der Abnahme liegt. Nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es für Zink keine klassischen Speicherorgane, anders als beim Eisen, dessen Vorrat sich über das Ferritin abbilden lässt. Der Serumwert beschreibt deshalb den Moment der Abnahme und nicht den Füllstand eines Vorrats, und damit entscheiden Tageszeit, Nüchternheit und Entzündungslage über die Deutbarkeit stärker als bei jedem anderen Wert auf dem Schein. Woran sich eine knappe Versorgung im Alltag bemerkbar macht und welche Umstände sie begünstigen, beschreibt unsere Seite zum Zinkmangel mit seinen Symptomen und Ursachen.

Welche Werte beantworten die Frage, und was verschiebt sie?

Sechs Werte kommen bei häufigen Infekten infrage, und für jeden von ihnen entscheidet ein anderer Umstand darüber, ob das Ergebnis brauchbar ist. Die folgende Übersicht stellt nebeneinander, was gemessen wird, in welcher Einheit es auf dem Befund erscheint und was die Zahl verschieben kann.

WertEinheit auf dem BefundWas das Ergebnis verschiebtGünstiger Zeitpunkt
25-OH-Vitamin Dng/ml oder nmol/ldie Jahreszeit der Abnahmeim Winterhalbjahr aussagekräftiger
Zink im Serumµmol/lEntzündung, Tageszeit, letzte Mahlzeitvormittags, nüchtern
Ferritinµg/leine Entzündung hebt den Wert anzwei bis drei Wochen nach dem Infekt
CRPmg/lsteigt bei jedem laufenden Infektimmer zusammen mit dem Ferritin
Vitamin B12 oder Holo-TCpmol/lder Gesamtwert reagiert spätunabhängig vom Infekt
Folat im Serumnmol/ldie Mahlzeiten der letzten Tagenüchtern

Die dritte Spalte ist der eigentliche Grund für diese Übersicht, denn vier der sechs Zeilen nennen einen Störfaktor, der nichts mit der Nährstoffversorgung zu tun hat. Wer das beim Termin anspricht, verändert damit die Qualität des Ergebnisses stärker als durch jeden zusätzlichen Wert auf dem Schein. Ein einzelner Wert ohne seinen Begleiter ist bei dieser Frage wenig wert, und die Begleiter kosten im Labor kaum etwas.

Warum entscheidet die Jahreszeit über den Vitamin-D-Wert mit?

Weil der Körper den größten Teil dieses Nährstoffs selbst in der Haut bildet und dafür UVB-Strahlung braucht, die in Deutschland nur im Sommerhalbjahr ausreichend ankommt. Zwischen Oktober und März steht die Sonne hierzulande so flach, dass die eigene Bildung praktisch pausiert und der Körper von dem zehrt, was im Sommer angelegt wurde. Derselbe Mensch hat im Februar und im Juli deshalb zwei deutlich verschiedene Werte, ohne dass sich an seiner Ernährung etwas geändert hätte.

Wie stark dieser Unterschied ausfällt, zeigen die Erhebungen zur Versorgungslage. Nach der Auswertung des Bundesinstituts für Risikobewertung, die die Verbraucherzentrale zusammenfasst, liegen rund 15 Prozent der Erwachsenen unter 30 Nanomol je Liter, rund 41 Prozent zwischen 30 und 50 und rund 44 Prozent bei 50 Nanomol je Liter oder darüber. Im Jahresverlauf verschiebt sich diese Verteilung erheblich, denn im Sommer erreichen mehr als 60 Prozent der Frauen einen Wert über 50 Nanomol je Liter, im Winter aber nur etwa 20 Prozent.

Für die Deutung eines eigenen Befundes heißt das vor allem eines: Das Datum der Blutabnahme gehört zur Zahl dazu. Ein niedriger Wert Ende Februar beschreibt den erwartbaren Tiefstand am Ende des Winterhalbjahres, während derselbe Wert im August eine ganz andere Auskunft gibt. Warum die eigene Bildung ab Oktober nicht mehr trägt und was das für den Winter bedeutet, beschreibt unser Artikel zum Vitamin-D-Mangel im Winter ausführlich, und die Symptome, Ursachen und Behandlung einer Unterversorgung stehen auf unserer Seite zu Vitamin-D-Mangel.

Warum ist ein Wert im Normbereich noch keine vollständige Antwort?

Weil der Bereich, den ein Labor neben das Ergebnis druckt, und die Konzentration, die eine Fachgesellschaft als wünschenswert bezeichnet, zwei verschiedene Dinge sind. Ein Referenzbereich beschreibt, in welcher Spanne sich die Werte einer Vergleichsgruppe bewegen, und er sagt damit etwas über die Verteilung in dieser Gruppe aus. Ob diese Gruppe gut versorgt war, ist eine andere Frage, und sie wird von dem Bereich selbst nicht beantwortet.

Beim Vitamin D lässt sich das an konkreten Zahlen zeigen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt eine Serumkonzentration von mindestens 50 Nanomol je Liter als wünschenswert, und zugleich erreichen nach den oben genannten Erhebungen nur rund 44 Prozent der Erwachsenen diese Marke. Ein Ergebnis knapp darunter fällt in vielen Laboren nicht als auffällig auf, liegt aber unterhalb dessen, was die Fachgesellschaft als Zielgröße beschreibt.

Für den Umgang mit einem Befund folgt daraus, dass die Zahl und ihre Einheit zusammen abgelesen gehören und nicht nur das Häkchen daneben. Dieselbe Vitamin-D-Konzentration erscheint auf dem einen Ausdruck in Nanogramm je Milliliter und auf dem anderen in Nanomol je Liter, und zwischen beiden Schreibweisen liegt ein Umrechnungsfaktor, der aus 20 eine 50 macht. Wer zwei Befunde aus zwei Jahren nebeneinanderlegt, vergleicht ohne diesen Blick auf die Einheit gelegentlich zwei völlig verschiedene Größen.

Das gilt in abgeschwächter Form für jeden der sechs Werte aus der Übersicht oben. Ein Ergebnis am unteren Rand des Bereichs ist keine Auffälligkeit im Sinne des Labors und trotzdem ein Hinweis, den die ärztliche Praxis zusammen mit der Vorgeschichte einordnet.

Was ist zu Vitamin C und Zink tatsächlich untersucht?

Deutlich weniger, als der Platz im Regal vermuten lässt, und die belastbaren Ergebnisse fallen bescheidener aus als die Erwartung an sie. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fasste 29 Vergleiche mit 11.306 Teilnehmenden zusammen und fand für die regelmäßige Einnahme von Vitamin C in der Allgemeinbevölkerung kein niedrigeres Erkältungsrisiko, mit einem relativen Risiko von 0,97. In fünf Studien mit 598 Marathonläufern, Skiläufern und Soldaten unter extremer körperlicher Belastung lag dasselbe relative Risiko dagegen bei 0,48, was diese Gruppe zur Ausnahme und nicht zur Regel macht.

Bei der Dauer der Beschwerden sieht das Bild anders aus als bei der Häufigkeit. Dieselbe Übersichtsarbeit berichtete für die regelmäßige Einnahme eine Verkürzung der Beschwerden um 8 Prozent bei Erwachsenen und um 14 Prozent bei Kindern, was bei einem Infekt von einer Woche weniger als einen Tag ausmacht. Für die Einnahme erst nach dem Beginn der Beschwerden fand die Arbeit keinen einheitlichen Effekt auf Dauer oder Schwere.

Für Vitamin D ist die Studienlage zuletzt zurückhaltender geworden. Eine Übersichtsarbeit im Fachblatt The Lancet Diabetes & Endocrinology wertete 2025 insgesamt 46 randomisierte Studien mit 64.086 Teilnehmenden aus und fand über alle Gruppen hinweg keinen bedeutsamen Unterschied bei akuten Atemwegsinfekten, während eine frühere Auswertung von 2021 mit 37 Studien noch einen kleinen Effekt beschrieben hatte. Einzelne Untergruppen fielen günstiger aus, die Autoren ordnen diese Befunde jedoch als nicht gesichert ein und halten größere Studien für nötig. Zusammengenommen ist das ein guter Grund, den eigenen Wert bestimmen zu lassen, und ein schlechter, ein Präparat auf Verdacht in den Einkaufswagen zu legen.

Welche Gründe außerhalb der Nährstoffversorgung kommen infrage?

Die naheliegendsten, und sie erklären eine Häufung meistens besser als jeder Blutwert. Im Winterhalbjahr zirkulieren mehr Erreger, die Menschen verbringen mehr Zeit dicht beieinander in geheizten Räumen, und die trockene Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus, die den ersten Kontakt mit einem Erreger abfangen. Wer kleine Kinder in Betreuung hat, holt sich deren Infekte zuverlässig mit ins Haus, und das erklärt in vielen Familien die gesamte Häufung ohne jede weitere Ursache.

Dazu kommen Umstände, die den Nährstoffbedarf tatsächlich verändern und die sich an der eigenen Lebenssituation ablesen lassen. Rauchen gehört dazu, denn die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nennen für Raucherinnen und Raucher mit 135 und 155 Milligramm am Tag deutlich höhere Zufuhrempfehlungen für Vitamin C als für andere Erwachsene mit 95 und 110 Milligramm. Eine sehr pflanzliche Ernährung verändert die Rechnung beim Zink, weil Phytat aus Vollkorn und Hülsenfrüchten es im Darm bindet: Die Empfehlungen liegen für Frauen zwischen 7 und 10 Milligramm am Tag und für Männer zwischen 11 und 16 Milligramm, je nachdem wie viel Phytat die Kost enthält.

Beim Eisen führt dieselbe Ernährungsweise zu einem Ergebnis, das der Erwartung zuwiderläuft. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung fällt die Eisenzufuhr bei veganer Ernährung häufig genauso hoch wie oder höher aus als bei einer Mischkost, und dieselbe Quelle beschreibt trotzdem einen häufig niedrigeren Eisenstatus, weil das Häm-Eisen aus Fleisch, Geflügel und Fisch über einen eigenen Weg im Darm etwa zwei- bis dreimal besser aufgenommen wird als die pflanzliche Form. Die mittlere Zufuhr aus der Nationalen Verzehrsstudie II liegt bei Frauen bei 9,6 Milligramm am Tag gegenüber einem Referenzwert von 16 Milligramm am Tag für menstruierende Frauen, und damit ist das die Gruppe aus der Liste oben, bei der sich der Blick auf den Teller am ehesten lohnt. Welche Portionen dabei tatsächlich etwas tragen, rechnet unser Artikel zu eisenhaltigen Lebensmitteln und dem, was davon ankommt durch.

Was sich über einen Blutwert nicht beantworten lässt, gehört trotzdem in die Überlegung. Für Schlafmangel und anhaltende Belastung gibt es keine Zahl auf dem Befund, und wer über Monate zu wenig schläft, wird die Erklärung dafür in keinem Labor finden. Die Nährstofffrage ist damit nicht falsch gestellt, sie ist nur ein Teil der Antwort und sollte auch als einer behandelt werden.

Wann gehört die Frage in eine ärztliche Praxis?

Sobald die Infekte deutlich über der üblichen Größenordnung liegen, ungewöhnlich lange dauern oder sich zwischen ihnen keine Erholung einstellt. Dasselbe gilt, wenn sich die Belastbarkeit im Alltag spürbar verändert hat oder wenn zu den Infekten weitere Beobachtungen dazukommen, etwa eine anhaltende Müdigkeit oder eine deutliche Blässe über Wochen. In diesen Fällen entscheidet die Vorgeschichte darüber, welche Werte sinnvoll sind, und diese Vorauswahl ist der ganze Unterschied zwischen einer gezielten Blutabnahme und einem teuren Rundumschlag.

Was im Gespräch tatsächlich hilft, lässt sich vorbereiten. Nützlich sind die Zahl der Infekte im letzten Jahr, ihre ungefähre Dauer, die eigene Ernährungsweise, eingenommene Medikamente und der Monat der letzten Blutabnahme, falls es eine gab. Mit diesen Angaben lassen sich zwei oder drei Werte begründet auswählen, während dieselbe Frage ohne sie regelmäßig in einem großen Paket endet, das viele Zahlen im Normbereich und eine knapp auffällige liefert.

Ein Präparat auf Verdacht verschiebt in all diesen Fällen nur den Zeitpunkt der Klärung. Es verändert die Werte, die anschließend bestimmt werden, und macht damit ausgerechnet die Ausgangslage unlesbar, die für die Einordnung gebraucht wird. Wer ohnehin vorhat, etwas einzunehmen, lässt die Werte deshalb sinnvollerweise vorher bestimmen und nicht danach.

Von dieser Reihenfolge gibt es eine kurze Ausnahmeliste, und sie hängt an der Lebenssituation statt an einem Befund. In vier Fällen nennen deutsche Fachgesellschaften ein Präparat, ohne dass zuvor irgendetwas gemessen wurde, nämlich bei Folsäure für Frauen mit Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft, bei Jod in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Vitamin B12 unter rein pflanzlicher Ernährung und bei Vitamin D für Menschen, die sich kaum im Tageslicht aufhalten. Der letzte dieser vier Fälle grenzt unmittelbar an die Frage aus diesem Artikel, weil er an derselben Jahreszeit hängt wie der Wert aus dem Abschnitt weiter oben. Welche vier Gruppen das genau sind, welcher Wert für jeden anderen Nährstoff zuständig ist und woran sich auf einer Packung eine geprüfte Angabe von einem Werbetext unterscheiden lässt, führt unser Artikel zu der Frage aus, welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind.

Was folgt daraus für den nächsten Winter?

Aus der Nährstoffperspektive bleibt eine überschaubare Aufgabe übrig, und sie beginnt nicht im Regal. Der erste Schritt ist das Nachzählen der Infekte im letzten Jahr und der ehrliche Abgleich mit dem Durchschnitt von zwei bis vier Erkältungen. Liegt die eigene Zahl darin, ist die Frage in den meisten Fällen bereits beantwortet, und der Rest ist ein normaler Winter mit einem unangenehmen Februar.

Liegt sie deutlich darüber, entscheidet der Zeitpunkt über den Wert der Antwort. Zwei bis drei Wochen Abstand zum letzten Infekt, eine Abnahme am Vormittag und nüchtern, und dazu das CRP als Begleiter für die anderen Zahlen: Damit sind die drei häufigsten Gründe ausgeräumt, aus denen ein Befund am Ende etwas anderes beschreibt als die Versorgung. Diese Vorbereitung kostet nichts außer einer Terminverschiebung.

Was am Ende auf dem Ausdruck steht, entscheidet dann über alles Weitere, und beide möglichen Ausgänge sind ein Ergebnis. Zeigt sich eine knappe Versorgung, gibt es einen konkreten Ansatzpunkt und einen Wert, an dem sich eine Veränderung später überprüfen lässt. Zeigt sich keine, ist die Nährstofffrage abgeräumt und der Blick frei für die Erklärungen, die sich nicht im Blut abbilden.

Wichtiger Hinweis
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Beschwerden ist die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt sinnvoll, bevor du dosierst.

Häufige Fragen

Ab wann ist man ständig erkältet?
Erwachsene erkälten sich im Durchschnitt zwei- bis viermal pro Jahr, und bei Kindern sind sechs bis acht Erkältungen jährlich aus Kita oder Schule keine Seltenheit. Wer in dieser Größenordnung liegt, hat vor allem einen normalen Winter hinter sich. Auffällig wird die Häufung erst deutlich darüber, vor allem wenn die einzelnen Infekte lange dauern, schwerer verlaufen als früher oder ohne die übliche Erholungsphase dazwischen aufeinanderfolgen.
Welche Blutwerte sind bei häufigen Infekten sinnvoll?
Am ehesten das 25-OH-Vitamin D in Nanogramm je Milliliter oder Nanomol je Liter, dazu Zink im Serum in Mikromol je Liter und das Ferritin zusammen mit dem CRP in Mikrogramm und Milligramm je Liter. Welche dieser Werte im Einzelfall etwas beitragen, entscheidet die ärztliche Praxis anhand der Vorgeschichte, der Ernährung und der Jahreszeit. Ein ungezieltes Rundumpaket liefert dagegen vor allem viele Zahlen im Normbereich.
Warum sollte man nicht während einer Erkältung Blut abnehmen lassen?
Eine laufende Entzündung verändert mehrere der interessanten Werte in entgegengesetzte Richtungen: Der Zinkwert im Serum fällt ab, während das Ferritin ansteigt, und beides passiert unabhängig davon, wie gut die Versorgung tatsächlich ist. Ein niedriges Zink und ein unauffälliges Ferritin aus einer solchen Probe beschreiben deshalb den Infekt und nicht den Nährstoffspeicher. Sinnvoll ist ein Abstand von etwa zwei bis drei Wochen nach dem Abklingen der Beschwerden.
Ständig erkältet trotz gesunder Ernährung: woran kann das liegen?
Die Nährstoffversorgung ist nur eine von mehreren möglichen Erklärungen und bei einer abwechslungsreichen Ernährung selten die naheliegendste. Häufiger Kontakt mit kleinen Kindern, viele Wochen in geheizten Innenräumen, wenig Schlaf und die schlichte Zahl der zirkulierenden Erreger im Winter erklären eine Häufung mindestens ebenso gut. Der Unterschied ist, dass sich davon nur die Nährstofffrage über einen Blutwert beantworten lässt.
Was ist zu Vitamin C und Erkältungen untersucht?
Eine Cochrane-Übersichtsarbeit fasste 29 Vergleiche mit mehr als 11.000 Teilnehmenden zusammen und fand für die regelmäßige Einnahme in der Allgemeinbevölkerung kein niedrigeres Erkältungsrisiko, mit einem relativen Risiko von 0,97. Für die Dauer der Beschwerden berichtete dieselbe Arbeit eine Verkürzung um 8 Prozent bei Erwachsenen und um 14 Prozent bei Kindern. Zugelassen ist zu diesem Nährstoff die Angabe, dass Vitamin C zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt.
Wie oft ist ein Kind normalerweise erkältet?
Sechs bis acht Erkältungen pro Jahr aus Kindergarten, Hort oder Schule gelten als übliche Größenordnung, und in den ersten Jahren mit Betreuung liegt die Zahl oft am oberen Rand davon. Der Grund ist der Kontakt mit vielen anderen Kindern und mit Erregern, denen das Kind zum ersten Mal begegnet. Eine ärztliche Einordnung lohnt sich, wenn die Infekte deutlich häufiger auftreten, ungewöhnlich lange dauern oder das Kind sich zwischen ihnen nicht erholt.
Was misst der Zinkwert im Serum wirklich?
Er misst die Menge, die im Blut zirkuliert, und das ist nur ein kleiner Teil des im Körper vorhandenen Zinks. Der Wert schwankt im Tagesverlauf, fällt nach einer Mahlzeit ab und reagiert auf eine Entzündung, weshalb er nüchtern am Morgen und mit Abstand zu einem Infekt bestimmt wird. Aussagekräftig ist er bei einer deutlichen Unterversorgung, während er eine leichte Lücke nicht zuverlässig anzeigt.
Clara Lambracht
Über die Autorin
Clara Lambracht · Ernährungsexpertin

Clara Lambracht ist Ernährungsexpertin und schreibt über Vitamine, Mineralstoffe und einen alltagstauglichen Umgang mit Nährstoffmängeln. Ihr Anspruch: fundiert recherchiert, verständlich erklärt und frei von Marketing-Versprechen.