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Eingerissene Mundwinkel: Ursachen, und welcher Mangel wirklich dahintersteckt

Wie oft hinter eingerissenen Mundwinkeln wirklich eine Nährstofflücke steckt, welche zugelassenen Angaben die Schleimhaut am Mund betreffen, was zu Stress und Schwangerschaft belegt ist und welche Blutwerte die Frage beantworten.

Clara Lambracht
Clara Lambracht
Ernährungsexpertin
· 14 Min. Lesezeit ·akt. 31. Oktober 2026
Nachttisch am frühen Morgen mit beschlagenem Wasserglas und zerknittertem Leinentuch im kalten Fensterlicht
Worum es hier geht

Der Mundwinkel ist eine Hautfalte, in der die dünne Lippenhaut auf die normale Gesichtshaut trifft und die sich beim Sprechen, Essen und Lachen tausende Male am Tag bewegt. Ein Einriss an dieser Stelle zeigt, dass die Haut dort mit Feuchtigkeit, Reibung und Bewegung nicht mehr zurechtkommt, und er zeigt von sich aus nicht, woran das liegt. Hält er über Wochen an oder kommt er immer wieder, gehört er in eine ärztliche Praxis, weil an dieser einen Stelle mehrere ganz verschiedene Gründe zusammenlaufen können. Für den Mundwinkel selbst gibt es keinen Laborwert, gemessen wird die Nährstoffversorgung im Blut, je nach Nährstoff in Mikrogramm je Liter, in Pikomol je Liter oder in Nanomol je Liter.

Wer bei eingerissenen Mundwinkeln zuerst zum B-Komplex greift, setzt auf die weniger wahrscheinliche Erklärung. Die medizinische Fachdatenbank StatPearls ordnet bis zu 25 Prozent der Fälle einem Mangel an Eisen oder an B-Vitaminen zu, während in 50 bis 80 Prozent der untersuchten Stellen zusätzlich Keime nachweisbar sind und die Mehrzahl der Fälle auf eine dauerhaft feuchte, dadurch aufgeweichte Hautfalte zurückgeht. Die häufigste Fehlannahme dabei ist, dass ein unauffälliges kleines Blutbild eine Nährstofflücke ausschließt, denn der Eisenspeicher kann längst leer sein, bevor der rote Blutfarbstoff überhaupt nachgibt. Sinnvoll ist deshalb die umgekehrte Reihenfolge, nämlich die Stelle ärztlich beurteilen zu lassen und dazu die zwei oder drei Werte bestimmen zu lassen, die zur eigenen Vorgeschichte passen, statt auf Verdacht ein Kombipräparat zu kaufen.

Wie oft steckt wirklich ein Nährstoffmangel dahinter?

In etwa einem Viertel der Fälle, und damit deutlich seltener, als die Regale in der Drogerie vermuten lassen. StatPearls hält fest, dass bis zu 25 Prozent der Fälle mit einem Mangel an Eisen oder an B-Vitaminen in Verbindung stehen, und nennt dabei Vitamin B12, Folat und Riboflavin sowie die Spurenelemente Zink und Eisen. Die Datenbank ist eine ärztliche Nachschlagequelle und keine Werbung, weshalb diese Zahl auch nach oben offen formuliert ist und nicht als Punktwert.

Dieselbe Quelle nennt für die Häufigkeit insgesamt etwa 0,7 Prozent in der amerikanischen Allgemeinbevölkerung, verteilt über zwei Altersgipfel, einmal im Kindesalter und einmal zwischen 30 und 60 Jahren. Bei älteren Menschen steigt die Häufigkeit auf rund 11 Prozent, und wer einen herausnehmbaren Zahnersatz trägt, ist etwa dreimal so oft betroffen, mit Angaben bis zu 28 Prozent. Diese Verteilung sagt für sich genommen schon etwas über die Gründe, denn ein Nährstoffmangel folgt keinem solchen Muster, während die Form des Mundes und die Höhe des Bisses genau so verteilt sind.

Für die eigene Einordnung bleibt damit ein knappes Viertel übrig, in dem tatsächlich eine Lücke in der Versorgung mitspielt, und dieses Viertel ist mit zwei oder drei Zahlen aus dem Labor zu erkennen und nicht mit einer Vermutung.

Warum reißt gerade der Mundwinkel als Erster ein?

Weil dort Feuchtigkeit stehen bleibt und die Haut sich trotzdem ständig bewegt. StatPearls formuliert es deutlich und schreibt, dass die meisten Fälle letztlich auf ein Aufweichen der Haut in den Mundwinkeln durch übermäßigen Kontakt mit Speichel zurückgehen. Eine Falte trocknet schlechter ab als eine glatte Fläche, und aufgeweichte Haut reißt bei Bewegung leichter ein als Haut, die ihre normale Festigkeit hat.

Dazu kommt die Mechanik des Mundes, und die erklärt den Zusammenhang mit dem Zahnersatz. Sitzt der Zahnersatz nicht richtig, schließt der Mund zu weit, die Höhe des Bisses nimmt ab, und die Falte am Mundwinkel wird tiefer und liegt enger an. Genau diese tiefere Falte hält den Speichel dann noch besser fest, sodass sich der Vorgang selbst verstärkt, ohne dass an der Ernährung etwas auffällig wäre.

Der dritte Baustein sind die Keime, und ihr Anteil ist größer als der aller Nährstofffragen zusammen. In 50 bis 80 Prozent der untersuchten Stellen ließen sich Erreger nachweisen, und das ist der Grund, warum die Beurteilung an dieser Stelle eine Untersuchung braucht und sich nicht mit einer Liste von Nährstoffen erledigen lässt.

Welche Nährstoffe dürfen zur Haut und zur Schleimhaut etwas sagen?

Am Mundwinkel treffen zwei Gewebe aufeinander, und die europäische Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben führt für beide eigene Formulierungen. Zur Schleimhaut steht in der Liste bei vier Nährstoffen eine Fassung, und diese vier sind Riboflavin, Niacin, Biotin und Vitamin A. Riboflavin trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei. Niacin trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei. Dieselbe Fassung steht in der Liste auch bei Biotin und bei Vitamin A, und sie ist von allen zugelassenen Angaben diejenige, die der Stelle am Mundwinkel räumlich am nächsten kommt.

Zur Haut fällt die Liste etwas breiter aus, und zwei Fassungen betreffen Nährstoffe, die bei dieser Frage ohnehin immer genannt werden. Zink trägt zur Erhaltung normaler Haut bei. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei. Welche Nährstoffe insgesamt eine Fassung zur Haut tragen und wie die Versorgung damit in Deutschland aussieht, stellt unser Artikel zu den Vitaminen für die Haut nebeneinander.

Für eingerissene Mundwinkel selbst gibt es dagegen keine zugelassene Angabe, und zwar für keinen einzigen Nährstoff. Dieser Abstand ist keine juristische Feinheit, sondern die genaue Beschreibung dessen, wie weit die Daten tragen. Sie reichen bis zur Erhaltung eines normalen Zustands und nicht bis zur Beseitigung eines Risses, und wer beim Kauf eines Präparats an dieser Grenze vorbeiliest, erwartet etwas, das niemand zugesagt hat.

Drei weitere Fassungen sind für die Frage trotzdem aufschlussreich, weil sie beschreiben, warum ein Gewebe mit schnellem Umsatz auf eine knappe Versorgung früh reagiert. Zink hat eine Funktion bei der Zellteilung. Eisen hat eine Funktion bei der Zellteilung. Eisen trägt zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper bei. Die oberste Hautschicht erneuert sich fortlaufend, und ein Gewebe in diesem Tempo bemerkt eine Lücke früher als eines, das langsamer arbeitet. Woran sich eine knappe Zinkversorgung sonst zeigt, führt unsere Seite zu Zinkmangel mit Symptomen und Ursachen im Einzelnen aus.

Was ist über Vitamin B2 bekannt, und was nicht?

Vitamin B2 ist der Nährstoff, der bei dieser Frage am häufigsten fällt, und er ist zugleich einer der wenigen mit einer zugelassenen Fassung zu beiden Geweben am Mundwinkel. Riboflavin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei. Das ist eine Aussage über die Erhaltung eines normalen Zustands, und sie sagt nichts darüber, ob ein bereits eingerissener Mundwinkel darauf reagiert. StatPearls führt Riboflavin zusätzlich in der Liste der Mängel auf, die mit eingerissenen Mundwinkeln in Verbindung gebracht werden, gemeinsam mit Vitamin B12, Folat, Zink und Eisen, und das ist eine beschriebene Beobachtung aus der Praxis und keine Zusage.

Zur Versorgungslage in Deutschland gibt es belastbare Zahlen, und sie fallen unauffälliger aus als erwartet. Nach der Nationalen Verzehrsstudie II lag die durchschnittliche Riboflavinzufuhr bei den 15- bis 80-Jährigen bei 1,4 Milligramm am Tag bei den Männern und bei 1,2 Milligramm am Tag bei den Frauen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ordnet das so ein, dass die Zufuhr im Mittel etwa auf Höhe der Referenzwerte liegt und nur in bestimmten Gruppen darunter, nämlich bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern sowie bei weiblichen Jugendlichen.

Wer wissen möchte, woher dieses Vitamin im Alltag überhaupt kommt, findet die Antwort weniger im Regal als im Kühlschrank. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt Milch und Milchprodukte als die Hauptlieferanten in Deutschland, während die höchsten Gehalte in Innereien wie Leber und Niere sowie in Getreidekeimflocken stecken. Wer keines davon regelmäßig isst, hat damit eine plausible Lücke in der eigenen Ernährung gefunden, und das ist eine bessere Grundlage für ein Gespräch in der Praxis als jede Vermutung über den Mundwinkel.

Haben Stress und seelische Belastung damit zu tun?

Als eigenständige Ursache steht seelische Belastung in den Ursachenlisten nicht. Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at führt sieben Umstände auf, nämlich Infektionen, eine chronische Hautentzündung, einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen, sehr trockene Haut, kalte und trockene Außenluft oder überheizte Innenräume, einen schlecht sitzenden Zahnersatz mit zu geringer Bisshöhe sowie die Ansammlung von Speichel in tiefen Falten. Stress taucht in dieser Aufzählung an keiner Stelle auf.

Belegt ist dagegen eine Gewohnheit, die sich in unruhigen Phasen häuft und die am Ende auf denselben Vorgang hinausläuft. Die AOK nennt neben dem Zigarettenkonsum ausdrücklich die Angewohnheit, sich mit der Zunge über die Lippen zu fahren, als etwas, das sich negativ auf die Haut in der Mundregion auswirkt. Wer das in angespannten Wochen häufiger tut, hält die Falte am Mundwinkel länger feucht, und damit ist nicht die Anspannung der Grund, sondern das, was sie an der Stelle auslöst.

Das ist auch der Punkt, an dem ein Präparat die Frage nicht beantwortet, obwohl die Liste der zugelassenen Angaben etwas zur Psyche hergibt. Folat trägt zur normalen psychischen Funktion bei. Vitamin B12 trägt zur normalen psychischen Funktion bei. Beide Fassungen beschreiben die psychische Funktion und nicht die Haut am Mund, und zwischen diesen beiden Aussagen liegt genau der Schritt, den kein Präparat überbrückt. Praktisch nützlicher ist es, zwei Wochen lang zu beobachten, wie oft die Zunge an die Lippen geht.

Spielen Hormone und die Schwangerschaft eine Rolle?

Für die Hormone selbst steht in den Ursachenlisten kein eigener Eintrag, für die Schwangerschaft dagegen gibt es eine gut belegte Verschiebung beim Bedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Frauen zwischen 19 und 51 Jahren vor den Wechseljahren einen Referenzwert von 16 Milligramm Eisen am Tag und für Schwangere einen von 27 Milligramm am Tag, Stand der Ableitung 2023. Beim Folat steht für Erwachsene ein Referenzwert von 300 Mikrogramm Folat-Äquivalent am Tag und für Schwangere einer von 550 Mikrogramm am Tag.

Diese beiden Sprünge erklären, warum die Nährstofffrage in dieser Lebensphase anders zu gewichten ist als sonst. Der Referenzwert für Eisen steigt um rund 70 Prozent und der für Folat um rund 83 Prozent, während sich an der üblichen Zusammensetzung des Essens zunächst nichts ändert. Beim Stillen liegt der Wert für Eisen wieder bei 16 Milligramm am Tag und der für Folat bei 450 Mikrogramm am Tag, sodass die Phase mit dem größten Abstand zur sonstigen Versorgung die Schwangerschaft selbst ist. Folat trägt zum Wachstum des mütterlichen Gewebes während der Schwangerschaft bei, und welche Anzeichen auf eine knappe Folatversorgung hindeuten, führt unsere Seite zu Folsäuremangel mit Symptomen und Ursachen aus.

Zur Frage nach den Hormonen gibt die Liste genau eine Fassung her, und sie betrifft einen Nährstoff, der in der Laborliste zu diesem Thema ohnehin auftaucht. Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei. Diese Formulierung sagt nichts über die Haut am Mundwinkel, und sie trägt deshalb keine Erwartung an eine Stelle, die über einen anderen Weg entsteht. Woher dieses Vitamin im Alltag kommt und was davon im Körper ankommt, beschreibt unser Artikel zu den Lebensmitteln mit Vitamin B6. Was in der Schwangerschaft im Einzelfall zu tun ist, gehört in die betreuende Praxis, weil dort die Vorgeschichte und die laufenden Werte zusammenkommen.

Welche Blutwerte beantworten die Frage?

StatPearls nennt für den Fall, dass die erste Behandlung nicht anschlägt, eine überschaubare Liste, und sie ist der brauchbarste Teil der ganzen Recherche. Bestimmt werden der rote Blutfarbstoff zusammen mit dem mittleren Zellvolumen, der Eisenstatus einschließlich Ferritin, dazu Folat sowie die Vitamine B2, B6 und B12, und schließlich der Nüchternblutzucker. Die folgende Übersicht stellt für die Werte, die die Nährstofffrage direkt betreffen, nebeneinander, was sie beantworten und was sie verschiebt.

WertWas er beantwortetEinheit auf dem BefundWas ihn verschiebt
Ferritinwie voll der Eisenspeicher istµg/leine Entzündung hebt ihn an
Hämoglobin mit MCVob die roten Blutkörperchen schon betroffen sindg/dl und flgibt erst spät nach
Vitamin B12die Versorgung mit Vitamin B12pmol/l oder ng/lein Präparat in den Wochen davor
Folatdie Folatversorgungnmol/ldie letzten Mahlzeiten vor der Abnahme
Zink im Serumdie Zinkversorgung, grobµmol/lTageszeit, letzte Mahlzeit, Entzündung

Auffällig ist, dass in jeder Zeile ein Störfaktor steht, der nichts mit der Ernährung zu tun hat. Praktisch heißt das, dass ein einzelner Wert ohne seinen Begleiter und ohne die Umstände der Abnahme wenig beantwortet, und dass die Begleiter im Labor fast nichts kosten. Beim Zink folgt daraus eine Regel für den Termin, die keinen Cent kostet, nämlich der frühe Morgen, nüchtern und mit dem Entzündungsmarker in derselben Probe.

Beim Ferritin liegt der bekannteste Fallstrick, und er dreht die Aussage des Befunds um. Eine Entzündung im Körper hebt den Ferritinwert an, ganz unabhängig davon, wie viel Eisen tatsächlich eingelagert ist, sodass ein Wert im Normbereich einen leeren Speicher verdecken kann. Warum diese beiden Zahlen nur zusammen zu lesen sind, führt unser Artikel zum Ferritin-Wert im Einzelnen aus, und die Symptome und Ursachen einer knappen Eisenversorgung stehen auf unserer Seite zu Eisenmangel mit Symptomen und Ursachen.

Umgekehrt gilt für einen Wert im Normbereich dasselbe, und hier liegt der teurere Irrtum. Ein kleines Blutbild ohne Ferritin, ohne Folat und ohne Vitamin B12 ist kein Freispruch für die Versorgung, sondern eine Aussage über den roten Blutfarbstoff und über die Größe der roten Blutkörperchen. Ein niedriger Wert wiederum beschreibt einen Zusammenhang und noch keine Ursache, sodass er zwar beobachtet oder ausgeglichen gehört, die Frage nach der feucht bleibenden Falte am Mund aber unverändert offen lässt.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine echte Lücke?

Bei gemischter Kost ist eine Nährstofflücke in Deutschland eher die Ausnahme, weshalb sich vor jeder Blutabnahme die Frage nach der eigenen Ausgangslage lohnt. Vier Umstände heben dieses Risiko so deutlich, dass sie die Reihenfolge auf dem Anforderungsschein bestimmen sollten.

  1. Eine starke Monatsblutung bedeutet einen regelmäßigen Blutverlust, und weil Eisen den Körper vor allem mit Blut verlässt, bleibt der Speicher dann dauerhaft am unteren Rand.
  2. Eine rein pflanzliche Ernährung stellt mehrere Fragen auf einmal, denn Vitamin B12 kommt in nennenswerter Menge nur in tierischen Lebensmitteln vor, und Milchprodukte fallen als Hauptlieferant von Riboflavin ebenfalls weg.
  3. Eine einseitige Kost über Monate oder eine deutliche Gewichtsabnahme unterschreitet mehrere Nährstoffe gleichzeitig, und das betrifft auch ein Gewebe mit schnellem Umsatz wie die Haut.
  4. Eine Operation am Magen oder ein dauerhaft eingenommenes Mittel gegen Magensäure betrifft die Aufnahme im Verdauungstrakt, sodass an der Ernährung nichts auffällig sein muss und die Versorgung trotzdem knapp wird.

Trifft keiner dieser vier Punkte zu, ist eine Nährstofflücke die weniger naheliegende Erklärung, und die Mechanik am Mundwinkel wird zur wichtigeren Frage. Beim Eisen entscheidet außerdem weniger die Menge auf dem Teller als die Form, in der es dort liegt, denn das Eisen aus Fleisch und Fisch lässt die Darmschleimhaut bevorzugt durch, während das Eisen aus Hülsenfrüchten, Vollkorn und grünem Gemüse stark davon abhängt, was in derselben Mahlzeit sonst dabei ist. Welche weiteren Beobachtungen im Alltag auf eine Nährstofflücke hindeuten können und welcher Wert jede davon beantwortet, führt unser Artikel zu den Anzeichen eines Vitaminmangels aus.

Warum heilen eingerissene Mundwinkel manchmal wochenlang nicht?

Weil an derselben Stelle mehrere Gründe nebeneinander laufen und jeder von ihnen seiner eigenen Uhr folgt, sodass ein einzelner Schritt immer nur einen davon erreicht. Wer nach zwei Wochen keine Veränderung bemerkt, hat deshalb nicht zwangsläufig das Falsche getan, sondern häufig nur einen von drei Vorgängen angefasst.

Der erste dieser Vorgänge beruht auf einer Verwechslung zweier Hautzustände, die am Mundwinkel gegensätzlich wirken und trotzdem beide zu einem Riss führen. Die eine Richtung ist die aufgeweichte Falte, in der Speichel stehen bleibt und die Haut ihre Festigkeit verliert. Die andere beschreibt gesundheit.gv.at so, dass bereits leichte Mundbewegungen bei sehr trockener Haut dazu führen können, dass die Mundwinkel einreißen, und es nennt dafür ausdrücklich kalte und trockene Außenluft sowie überheizte Innenräume. Was der einen Richtung entgegenwirkt, arbeitet der anderen zu, und darin liegt ein Teil der Erklärung dafür, warum dieselbe Pflege bei zwei Menschen verschieden ausgeht.

Der zweite Vorgang ist die Mechanik, und sie ändert sich von allein überhaupt nicht, solange die Höhe des Bisses dieselbe bleibt. Der dritte ist der langsamste und betrifft die Nährstofffrage, denn ein Eisenspeicher leert sich über Monate und füllt sich in derselben Größenordnung wieder auf, weshalb sich eine geschlossene Lücke über Wochen zeigt und nicht am Ende der ersten Packung. Daraus folgt eine nüchterne Trennung der beiden Fragen, denn die Pflege an der Stelle beantwortet die nach der Haut und ein Blutwert die nach der Versorgung.

Was in den nächsten Wochen weiterhilft

Der erste Schritt kostet nichts und ist der wirksamste, nämlich den Beginn festzuhalten und daneben zu notieren, was sich in dieser Zeit geändert hat. Dazu gehören eine Umstellung der Ernährung, ein neuer oder neu angepasster Zahnersatz, eine Zahnspange, eine Schwangerschaft, eine Zeit mit außergewöhnlicher Belastung und alles, was den Mundwinkel dauerhaft feucht hält. Dieser Zettel ist in der Praxis mehr wert als jede Liste von Werten, weil sich daraus ergibt, welche zwei oder drei Zahlen die Frage überhaupt beantworten.

Der zweite Schritt ist die Beurteilung der Stelle selbst, und die lässt sich nicht überspringen. Weil in der Mehrzahl der untersuchten Fälle Keime im Spiel sind und die Mechanik des Mundes den größten Anteil trägt, entscheidet der Befund darüber, ob die Nährstofffrage überhaupt eine Rolle spielt. Wer die eigenen Beobachtungen vorher sortieren möchte, findet in unserem Selbsttest zu den acht häufigsten Nährstoffen eine Einordnung, die das Gespräch vorbereitet und es nicht ersetzt.

Der dritte Schritt ist der unbeliebteste, und er besteht im Abwarten mit einem festen Termin. Verändert sich nach einer geschlossenen Lücke tatsächlich etwas, zeigt sich das über Wochen und nicht am Ende der ersten Packung, und bewegt sich nichts, obwohl der Wert gestiegen ist, war die Lücke nicht der Grund. Beide Ausgänge sind ein Ergebnis, und beide sind mehr wert als das nächste Präparat auf Verdacht, denn drei von vier Fällen haben einen Grund, der mit der Ernährung nichts zu tun hat.

Wichtiger Hinweis
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Beschwerden ist die Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt sinnvoll, bevor du dosierst.

Häufige Fragen

Welcher Nährstoffmangel steckt hinter eingerissenen Mundwinkeln?
Die medizinische Fachdatenbank StatPearls ordnet bis zu 25 Prozent der Fälle einem Mangel an Eisen oder an B-Vitaminen zu und nennt dabei Vitamin B12, Folat und Riboflavin sowie die Spurenelemente Zink und Eisen. Das heißt umgekehrt, dass in der Mehrzahl der Fälle etwas anderes die Erklärung ist, vor allem eine dauerhaft feuchte und dadurch aufgeweichte Hautfalte am Mundwinkel. Welcher der genannten Nährstoffe im Einzelfall überhaupt eine Rolle spielt, ergibt sich erst aus zwei oder drei Blutwerten und aus der eigenen Vorgeschichte.
Welche Blutwerte sind bei eingerissenen Mundwinkeln sinnvoll?
StatPearls nennt für die weitere Abklärung den roten Blutfarbstoff zusammen mit dem mittleren Zellvolumen, den Eisenstatus einschließlich Ferritin, dazu Folat sowie die Vitamine B2, B6 und B12 und den Nüchternblutzucker. Zum Ferritin gehört immer ein Entzündungsmarker in dieselbe Probe, weil eine Entzündung im Körper den Ferritinwert anhebt und damit einen leeren Speicher verdecken kann. Welche dieser Werte im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die Vorgeschichte und nicht die Länge der Liste.
Kann ein normales Blutbild eine Nährstofflücke ausschließen?
Nein, und das ist bei dieser Frage der häufigste Trugschluss. Der rote Blutfarbstoff gibt erst nach, wenn der Eisenspeicher bereits aufgebraucht ist, sodass ein Wert im Normbereich einen leeren Speicher nicht ausschließt. Die aussagekräftigere Zahl ist das Ferritin in Mikrogramm je Liter, und die steht auf einem kleinen Blutbild gar nicht drauf. Ein Befund gilt deshalb häufig als unauffällig, obwohl der interessante Wert nie bestimmt wurde.
Können Stress und seelische Belastung eingerissene Mundwinkel verursachen?
Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at führt sieben Umstände als Ursache auf, und seelische Belastung gehört nicht dazu. Belegt ist dagegen eine Gewohnheit, die sich in unruhigen Phasen häuft, denn die AOK nennt neben dem Zigarettenkonsum ausdrücklich die Angewohnheit, sich mit der Zunge über die Lippen zu fahren, als etwas, das sich negativ auf die Haut in der Mundregion auswirkt. Dieselbe Quelle beschreibt die Ansammlung von Speichel in den Mundwinkeln als einen der Wege, auf denen die Haut dort aufweicht.
Warum reißt gerade der Mundwinkel ein und nicht die Lippe?
Nach StatPearls gehen die meisten Fälle auf ein Aufweichen der Haut in den Mundwinkeln durch dauerhaften Kontakt mit Speichel zurück. Der Mundwinkel ist eine Falte, in der Feuchtigkeit stehen bleibt, statt zu verdunsten, und die sich beim Sprechen und Essen ständig bewegt. Aufgeweichte Haut reißt bei Bewegung leichter ein als trockene, und in 50 bis 80 Prozent der untersuchten Stellen ließen sich zusätzlich Keime nachweisen.
Welche zugelassenen Angaben betreffen die Schleimhaut am Mund?
Der Anhang der europäischen Verordnung führt für vier Nährstoffe eine Fassung, die ausdrücklich die Schleimhaut nennt, nämlich für Riboflavin, Niacin, Biotin und Vitamin A. Riboflavin trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei. Dieselbe Fassung steht in der Liste auch bei den drei anderen genannten Nährstoffen. Für eingerissene Mundwinkel selbst gibt es dagegen keine zugelassene Angabe, und zwar für keinen einzigen Nährstoff.
Ändert sich in der Schwangerschaft der Bedarf an Eisen und Folat?
Ja, und der Unterschied fällt deutlich aus. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Frauen zwischen 19 und 51 Jahren vor den Wechseljahren einen Referenzwert von 16 Milligramm Eisen am Tag und für Schwangere 27 Milligramm am Tag. Beim Folat steht für Erwachsene ein Referenzwert von 300 Mikrogramm Folat-Äquivalent am Tag und für Schwangere von 550 Mikrogramm am Tag. Was daraus im Einzelfall folgt, gehört in die betreuende Praxis und nicht in eine Liste.
Wer bekommt eingerissene Mundwinkel besonders häufig?
StatPearls beschreibt eine Häufigkeit von etwa 0,7 Prozent in der amerikanischen Allgemeinbevölkerung und eine Verteilung mit zwei Spitzen, einmal im Kindesalter und einmal zwischen 30 und 60 Jahren. Bei älteren Menschen liegt die Häufigkeit bei rund 11 Prozent, und wer einen herausnehmbaren Zahnersatz trägt, ist etwa dreimal so oft betroffen, mit Angaben bis zu 28 Prozent. Ein schlecht sitzender Zahnersatz verändert die Höhe des Bisses, und damit auch die Form der Falte am Mundwinkel.
Warum heilen eingerissene Mundwinkel manchmal wochenlang nicht?
Weil an derselben Stelle mehrere Gründe nebeneinander laufen und jeder von ihnen seiner eigenen Zeitskala folgt. Die Form der Falte am Mund ändert sich erst, wenn sich an der Höhe des Bisses etwas ändert, und bis dahin bleibt sie so feucht wie vorher. Die Haut selbst reagiert innerhalb von Tagen. Eine knappe Nährstoffversorgung bewegt sich dagegen über Wochen, weil sich ein Speicher über Monate leert und in derselben Größenordnung wieder auffüllt. Ein einzelner Schritt erreicht deshalb immer nur einen dieser drei Vorgänge.
Wann gehören eingerissene Mundwinkel in eine ärztliche Praxis?
Wenn sie über mehrere Wochen bestehen, wenn sie immer wiederkommen oder wenn sie zusammen mit anderen Veränderungen im Alltag auftreten. Das österreichische Gesundheitsportal gesundheit.gv.at nennt dafür drei Anlaufstellen nebeneinander, nämlich die hausärztliche, die zahnärztliche und die hautärztliche Praxis. Die Stelle selbst lässt sich über einen Text nicht beurteilen, weil an ihr mehrere ganz verschiedene Gründe zusammenlaufen und die Beurteilung eine Untersuchung braucht.
Clara Lambracht
Über die Autorin
Clara Lambracht · Ernährungsexpertin

Clara Lambracht ist Ernährungsexpertin und schreibt über Vitamine, Mineralstoffe und einen alltagstauglichen Umgang mit Nährstoffmängeln. Ihr Anspruch: fundiert recherchiert, verständlich erklärt und frei von Marketing-Versprechen.